Eine Mitarbeiterin stellt vor einem Café in Prenzlauer Berg einen Heizpilz ein. Das, was  vor elf Jahren noch Usus war, soll wieder möglich sein.
Foto:  imago-images/Schroth

BerlinHeizpilze gelten als Klimakiller, das Aufstellen ist für Berliner Lokale in der Innenstadt seit  Jahren  verboten. Nun könnte das Verbot vorübergehend aufgehoben werden, um die in der Corona-Krise gebeutelten Wirte und ihre Betriebe über den kommenden Herbst und den Winter zu retten. Doch das Aufstellen der Heizpilze für Gäste in den Außenbereichen der Kneipen und Lokale wird es nicht so einfach geben, machen Wirtschaftssenatorin Ramona Pop und Umweltsenatorin Regine Günther klar. Die Grünen-Politikerinnen schlagen daher einen autofreien Sonntag als Ausgleich für die Duldung der umweltschädlichen Wärmespender vor.

Die Lage der  Gastronomen in der Corona-Krise  ist ernst. Etwa 60 Prozent der über 7200 Berliner Wirte und Hoteliers bangen laut einer Umfrage des Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) um ihre Existenz. Vor allem, wenn die kältere Jahreszeit kommt, die Mehrheit ihrer Gäste nicht mehr die Plätze im Freien nutzen, und in den Innenräumen wegen der Corona-Abstands-Regeln kaum noch Besucher bewirtet werden können. „Die Angst vor dem Winter ist groß“,  erklärte vor kurzem Dehoga-Präsident Guido Zöllick. Man befürchte eine Pleitewelle „ungeahnten Ausmaßes“, die es zu verhindern gilt.

Eine Lösung wäre, dass Wirte Außenbereiche winterfest machen, damit sie so auch in der kalten Jahreszeit mehr Gäste bewirten können. Damit keiner friert, sollten dort wieder Heizpilze aufgestellt werden dürfen, forderte etwa FDP-Fraktionschef Sebastian Czaja. Ein Antrag dazu wurde im Abgeordnetenhaus gestellt.

Die Forderung der Liberalen stößt im Senat auf Zustimmung. Wirtschaftssenatorin Pop begrüßt es, „wenn die Bezirke mit einheitlichen Regelungen unbürokratisch und großzügig Außengastronomie auch in der kalten Jahreszeit ermöglichen“, sagt sie der Berliner Zeitung. Doch sie setzt noch einen drauf: Um den Schadstoffausstoß der Heizpilze zu kompensieren, könne man etwa „mit einem autofreien Sonntag das CO2 wieder einsparen“, so Pop. 

CO2-Ausstoß wie bei einem Auto

Heizpilze stoßen laut Expertenangaben bei vollem Betrieb etwa 3,5 Kilogramm CO2 pro Stunde in die Luft. Über das Jahr gesehen sind sie etwa so schädlich wie ein Auto, das 12.000 Kilometer zurückgelegt hat. Ein Grund, weshalb 2009 das Aufstellen dieser Wärmespender vor Lokalen in Innenstadtbezirken wie Charlottenburg-Wilmersdorf, Mitte oder Pankow verboten wurde.

Wie Pop schlägt auch Umweltsenatorin Günther einen autofreien Sonntag als Gegenleistung vor. „Wir haben aktuell eine Ausnahmesituation, auf die es flexibel zu reagieren gilt. Die Klimakrise verlangt schnelle Emissionsreduktionen, die Coronakrise hat viele Unternehmen in eine existenzbedrohende Lage gebracht. Wir brauchen für beide Problemlagen Lösungen“, sagte sie.

Doch man sollte auch Alternativen überdenken. Günther hält es für wichtig „für die Außengastronomie zunächst alle Möglichkeiten zu prüfen, wie das Angebot im Freien etwa mit Decken, Windschutz oder mit guter Belüftung in Innenräumen auch am Abend aufrecht erhalten werden kann“.

Der autofreie Sonntag entspreche zwar nicht der FDP-Vorstellung nach ihrer Forderung zum Wiederbeleben der Heizpilze. Doch um die Wirte zu retten, sei dieser „ein notwendiger Kompromiss“, erklärt Fraktionschef Czaja.