Berlin - Der autofreie Sonntag in Berlin beginnt damit, dass ich ins Auto steige und in die Redaktion fahre. Sonntags ist toll, sonntags sind die Straßen frei: immer. So auch an diesem Sonntag. Vielleicht ein wenig mehr.

Ich könnte mit der Bahn fahren: Doch für die Straßenbahn vor meiner Haustür fährt seit Monaten ein Schienenersatzverkehr.

Die Senatsverwaltung und mehrere Umweltverbände haben empfohlen, an diesem Sonntag einmal auf das Auto zu verzichten. Sie twittern: „Also einfach mal stehen lassen & mitmachen. Das schont das Klima und macht die Stadt lebenswerter“.

Wir machen einen Sonntagsausflug

Das Adlergestell ist mäßig gut befahren, und an der Tankstelle in der Bulgarischen Straße in Treptow sind an diesem Vormittag alle Plätze zum Waschen der Autos besetzt. „Schick machen für den Sonntagsausflug“, wie eine junge Frau sagt. Auf den Autobahnen in und um Berlin vermeldet der ADAC immer wieder Staus.

Doch Petra Nelken, die Pressesprecherin der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), sagt, dass der autofreie Sonntag durchaus angekommen sei bei den Berliner. Es sei sehr viel ruhiger auf den Straßen als an „normalen Sonntagen“. Das habe eine Befragung unter den Fahrerinnen und Fahrern der vielen BVG-Busse ergeben.

Zudem stehe das schöne Wetter auf Seiten der BVG. „Viele nutzten den sonnigen Sonntag, um zu den Berliner Ausflugszielen zu gelangen – etwa nach Müggelheim. Die Busse dorthin waren sehr viel voller, als sonst“, sagt die BVG-Sprecherin.

Petra Nelken erklärt, dass es in Berlin einfach und auch stressfrei sei, mit öffentlichen Verkehrsmitteln von A nach B zu kommen. Immerhin hat die BVG für diesen europaweit geltenden autofreien Sonntag den Berlinern und auch den Touristen ein unschlagbares Angebot unterbreitet: Der Einzel-Fahrschein für 2,80 Euro gilt als Tageskarte.

Ein Appell an die Berliner

„Dieses Angebot ist ein Appell an die Berliner. Damit wollen wir sagen: Leute, probiert einfach mal aus, mit der Bahn oder dem Bus zu fahren“, sagt die BVG-Sprecherin. Jeder gelange in dieser Stadt sehr gut überall hin. Selbst in der Nacht komme man immer nach Hause.

„Der öffentliche Nahverkehr ist eine ziemlich gute Antwort auf den Klimawandel“, sagt Petra Nelken. Und Berlin sei in dieser Beziehung gut aufgestellt. Auch wenn die Berliner oftmals schimpften – auf hohen Niveau, wie die BVG-Sprecherin sagt. Außerdem sei es doch sehr viel schwerer und vor allem teuerer, „sein Auto in der Stadt irgendwo zu parken“.

Die Leipziger Straße in Mitte, sonst selbst an den Wochenende Stauschwerpunkt, ist an diesem Sonntag mäßig befahren. An der Haltestelle des Busses Nummer 248, der zum Alexanderplatz fährt, stehen zwei ältere Herren. „Eigentlich sind wir potenzielle Autofahrer“, sagt der 69-jährige Heinz Gutjof, der am Stock geht. Doch für weniger als drei Euro den ganzen Tag in der Stadt herumzufahren, ohne die nervige Parkplatzsuche, das sei schon unschlagbar.

Die Berliner Polizei kann auf Nachfrage nicht sagen, ob weniger Autofahrer auf den Straßen unterwegs sind. „Dazu fehlt uns einfach der Vergleich“, sagt eine Sprecherin.