Olli ist in der Stadt, aber das darf noch niemand wissen. Der Ort, an dem er für seinen Einsatz vorbereitet wird, soll geheim gehalten werden. Seine Schöpfer reagieren äußerst zurückhaltend, wenn sie auf ihn angesprochen werden. Es lässt sich jedoch nicht leugnen: Olli, der selbst fahrende elektrische Bus aus dem 3D-Drucker, soll durch Berlin rollen. Er stößt bei Experten jetzt schon auf Interesse. In dieser Woche möchte sich Rüdiger Grube, Chef der Deutschen Bahn, das ungewöhnliche Produkt des US-Herstellers Local Motors anschauen.

Olli sieht aus wie ein Brotkasten. Oder wie eine Gefrierbox. Seine Proportionen sind auffällig: Olli ist 3,92 Meter lang, bietet aber im Innern eine Stehhöhe von fast zwei Metern. Seine niedlichen Räder sind nur etwas größer als bei Schubkarren.

Doch der Kleine soll ja auch nicht rasen: Er ist maximal für 40 Kilometer pro Stunde ausgelegt. Olli ist gedacht als Shuttle für kurze Distanzen. Drinnen können zwölf Fahrgäste sitzen – auf Bänken, die sich an den drei Wänden entlang ziehen.

Sensoren scannen die Umgebung

Noch ungewöhnlicher ist das, was nicht oder nicht sofort zu sehen ist. Da sind die mehr als 30 Sensoren, die Ollis Umgebung überwachen. Radarsysteme und Laserscanner sollen dafür sorgen, dass der kleine Elektrobus Hindernisse umfährt oder rechtzeitig bremst. Nicht zu vergessen: IBM Watson, ein lernfähiges Computersystem, das Verkehrsdaten sammelt und mit den Fahrgästen kommunizieren kann – etwa wenn es Fragen gibt. Eine weitere Besonderheit: Rund 20 Prozent der Teile stammen aus 3D-Druckern. Mit Olli will Local Motors testen, ob sich auch der Prozess der Autoherstellung revolutionieren lässt.

So ein Fahrzeug hat es in Berlin noch nicht gegeben. Doch weil Olli nicht fertig ist, hält sich Local Motors bedeckt. „Wir sind noch in der Entwicklung“, sagt Damien Declercq, der für Europa zuständig ist. Vielleicht sei Olli im September bei einem Event in Berlin zu sehen.

Gesprächiger zeigt sich Gernot Lobenberg, Chef der landeseigenen Agentur für Elektromobilität (eMo). „Wir unterstützen Local Motors“, sagt er. Für Lobenberg ist Olli eine „Riesenchance“, Bereiche des Nahverkehrs umweltfreundlicher und wirtschaftlicher zu organisieren.

Der Elektrobus könne bedarfsgerecht eingesetzt werden – dort, wo sich die Fahrgastnachfrage in Grenzen hält. Fast noch wichtiger sei das Potenzial, das autonome Fahrzeuge für die Zukunft bieten: Wenn die Technik ausgereift und der Rechtsrahmen angepasst ist, könnten sie fahrerlos unterwegs sein, so Lobenberg. Zunächst müsse aber bei jeder Fahrt jemand an Bord sein, der bei Problemen eingreifen kann. Dafür bekommt Olli einen Joystick eingebaut, was die Platzzahl verringert.

Durch Schöneberg oder Mitte

In Berlin wird Olli klein anfangen – auf einem Gelände, das nicht als öffentliches Straßenland gilt. Lobenberg: „Ziel ist es, dass noch in diesem Jahr der Betrieb auf dem Euref-Campus beginnt.“ Am alten Schöneberger Gasometer haben sich Firmen aus Zukunftsbranchen wie Mobilität und Energie angesiedelt. Der Campus ist ein weitläufiger Bereich, in dem Olli helfen könnte, Wege zurückzulegen. Wenn die Privatstraße zum S-Bahnhof Schöneberg fertig ist, könnte er auch dorthin fahren. Dem Vernehmen nach ist das Charité-Areal in Mitte ebenfalls als Einsatzgebiet im Gespräch.

Noch sei allerdings viel zu tun, heißt es. Der Prototyp muss nicht nur fertig werden, er muss auch lernen. Probefahrten sind notwendig, damit die spätere Arbeitsumgebung erfasst wird. Auch finanzielle Entscheidungen sind zu treffen: Beim Bund ist ein Förderantrag gestellt.

Vom Berliner Senat kommt Skepsis

In Berlin wird Olli seine Runden erst einmal nur auf Privatgelände drehen. In den USA, in der Schweiz und in Finnland sind fahrerlose Busse bereits auf öffentlichen Straßen unterwegs. Doch in Deutschland sind die Verantwortlichen noch skeptisch – der erste tödliche Unfall, den ein teilautonomes Auto im Juni in den USA verursacht hat, verstärkt ihre Skepsis. Olli sei „Spielkram“, heißt es in Senatskreisen. „Nach dem Tesla-Unfall hat er wenig Chancen, für den öffentlichen Straßenverkehr zugelassen zu werden.“

Doch genau das ist das nächste Ziel. In Zukunft könnte Olli zwischen dem Campus am Gasometer und dem Bahnhof Südkreuz pendeln, sagt Lobenberg. „Wir sind mit den Behörden im Gespräch.“