Berlin - Irgendwann musste es ja so weit kommen. Thrillerautor Sebastian Fitzek, dessen Bücher seit 2006 Dauergäste in den Bestsellerlisten sind und sich schon 4,5 Millionen Mal verkauft haben, hat eine Urangst in den Mittelpunkt seines neuesten Buchs gestellt. Der Titel „Der Nachtwandler“ lässt ahnen, dass Fitzek seinen Lesern damit Furcht vor ihren eigenen Handlungen bei Nacht suggerieren will. Auf die Frage, ob er selbst weiß, was er letzte Nacht tat, antwortet er: „Da kann man sich nicht sicher sein.“ Seine Frau deutet gelegentlich an, dass er im Schlaf redet und mit den Zähnen knirscht.

Mini-Stand im Messetrubel

Der Nachtwandler in Fitzeks Buch schnallt sich eine Kamera auf die Stirn, um am nächsten Morgen anschauen zu können, was er die Nacht über angestellt hat. Der Autor hat sich in Vorbereitung auf sein neuestes Werk mal wieder umfassend bei Fachleuten informiert, weil alles stimmen muss. Und stellt sich ab heute, dem Erscheinungstag von „Der Nachtwandler“, seinen Lesern.

Der Berliner hat auf der Leipziger Buchmesse einen eigenen Stand gemietet und begründet das so: „Mein Verlag wollte seinen Droemer-Knaur-Stand seltsamerweise nicht in Fitzek-Stand umbenennen. Also habe ich jetzt meinen eigenen.“ Er versucht damit, sein schlechtes Gewissen ein wenig zu besänftigen: „Ich habe die Leipziger Buchmesse bisher sträflich vernachlässigt, weil meine Bücher im Herbst und damit passend zur Frankfurter Messe erschienen sind.“

Die Idee mit dem eigenen Mini-Stand von acht Quadratmetern gefällt ihm selbst ziemlich gut: „Ich wundere mich, dass darauf vor mir noch kein anderer Autor gekommen ist.“ Ursprünglich wollte Fitzek sich dort in Halle 3 an Stand B 301 an einen Schreibtisch setzen und an seinem nächsten Roman schreiben. Mal abgesehen davon, dass im Messetrubel sicher keine anständigen Kapitel entstanden wären, besann er sich auch: „Es gibt wahrscheinlich keinen langweiligeren Anblick als einen Autor bei der Arbeit.“ Nun wartet er also an seinem Stand darauf, dass ihn Leser ansprechen.

Auch seine nächste Tour soll viel näher am Leser stattfinden als die letzten. „Ich versuche es mal wieder mit Unplugged-Lesungen, Abenden in Buchhandlungen und ohne große Show. Dafür aber mit viel Zeit für die Fragen der Leute.“ Seine letzten Touren füllten große Säle und waren eher Multimedia-Events. „Ich erinnere mich jetzt an meine Anfänge. Es muss ja nicht wieder so werden wie damals in Rostock, wo zur Lesung in einer Buchhandlung fünf Personen kamen, von denen ich vier im Verdacht hatte, zum Personal zu gehören.“

Babylonisches Sprachgewirr

Fitzek ist 41 Jahre alt und davon überzeugt, dass man nur dann gute Bücher schreiben kann, wenn man schon viel erlebt hat. Bei seinem bisherigen beruflichen Werdegang ist davon auszugehen, dass ihm so bald der Stoff nicht ausgehen wird. Er studierte drei Monate Tiermedizin, wechselte zu Jura und gründete als Dr. jur. eine Radioberatungs-Firma. Auch heute noch berät er regelmäßig die Programmdirektion eines Berliner Radiosenders.

Fitzeks Bücher sind in bisher 24 Sprachen übersetzt worden. Manchmal erfährt er davon erst durch die Zusendung eines Kartons mit Belegexemplaren: „Bei meinem ersten Buch auf Japanisch wusste ich zunächst gar nicht, wie rum ich das halten musste.“ Manchmal melden sich aber auch die Übersetzer bei ihm mit Fragen. Er findet das gar nicht lästig, im Gegenteil: „Dadurch werden die Übersetzungen besser, das ist doch in meinem Sinne.“

Sein chinesischer Übersetzer hat ihn mal gefragt, was Stützstrümpfe sind. Ein italienischer hatte keine Fragen: „Der schrieb stattdessen ein zusätzliches Kapitel.“ Das wäre nie herausgekommen, wenn nicht ein Verleger aus Griechenland, der kein Deutsch versteht, dafür aber perfekt Italienisch, genau diese Ausgabe gelesen hätte. Der meldete sich dann im Verlag und meinte, dass das ja ein ganz gutes Buch sei. Er frage sich aber, warum in einem Kapitel das Ende vorweggenommen würde.

Fitzek wechselte seinen italienischen Verlag, denn das Ausplaudern des raffinierten Schlusses mögen Thriller-Autoren gar nicht.