Autorennen in Kreuzberg: Erstes Verfahren gegen Raser nach neuem Gesetz

Das Interesse an dem Prozess vor dem Amtsgericht ist groß. Ist es doch das erste Mal, dass ein mutmaßlicher Raser nach der Gesetzesänderung in Berlin vor Gericht steht. Angeklagt ist der 19-jährige Mohammed T. Der Staatsanwalt wirft ihm die Teilnahme an einem verbotenen Autorennen vor. Seit Oktober 2017 ist das keine Ordnungswidrigkeit mehr, sondern ein Straftatbestand.

Mohammed T., derzeit KfZ-Mechatroniker-Azubi, soll sich laut Anklage am Abend des 13. November vorigen Jahres in Kreuzberg in einem weißen Mercedes-Sportwagen ein Autorennen mit einem anderen Fahrzeug geliefert haben. Zu dieser Zeit hatte er den Führerschein noch auf Probe. Mohammed T. soll mit bis zu 105 Kilometer pro Stunde unterwegs gewesen sein. An roten Ampeln stoppte er, um danach mit quietschenden Reifen Gas zu geben. Nach rund 1,4 Kilometern soll das Fahrzeug von einer Zivilstreife der Polizei gestoppt worden sein.

Angeklagter schweigt

Der Angeklagte sagt an diesem ersten Verhandlungstag nichts. Einer der beiden Polizisten in Zivil, die ihn damals verfolgen und anhalten konnten, erklärt, er habe mit dem Dienstfahrzeug Mühe gehabt, dem Sportwagen zu folgen. Erst später sei ihm ein vor dem weißen Auto fahrender roter Wagen aufgefallen, der ebenso schnell unterwegs gewesen sei. Immer wieder seien beide Fahrzeuge mit aufheulenden Motoren losgefahren.

An der Yorkstraße/Ecke Großbeerenstraße stoppten die Polizisten Mohammed T. Im Wagen saß seine Mutter und drei Jugendliche sowie ein Kind. Der junge Mann am Steuer habe erklärt, sie seien auf dem Weg zu einer Hochzeit und hätten den Konvoi wieder einholen wollen, erinnert sich der Beamte. Mohammed T. habe ein illegales Rennen bestritten. Schließlich habe er den roten Wagen nicht überholt, argumentierte Mohammed T. „Aber bei der Formel 1 gibt es schließlich auch Start-Ziel-Siege“, sagt der Zeuge.

Weitere Tatbeteiligte sagen ebenfalls nicht aus

Wie sich später herausstellte, saß in dem vorneweg rasenden roten Auto ein Cousin des Angeklagten. Auch gegen ihn wurde bereits Anklage erhoben. Er verweigert in dem Prozess gegen seinen Verwandten die Aussage. Ebenso wie die Mutter von Mohammed T., die damals auf dem Beifahrersitz gesessen hatte. Dem Angeklagte ein illegales Autorennen nachzuweisen, wird schwer werden für die Richterin. Sie will weitere Zeugen hören. Am 25. Juni wird der Prozess fortgesetzt.