Die Schauspielerin, Moderatorin und Kinderbuchautorin Collien Ulmen-Fernandes.
Foto: Christian Schulz

BerlinWährend viele ihrer Kollegen heftig mit der aufgezwungenen Langeweile kämpften und noch immer kämpfen, hatte Schauspielerin und Moderatorin Collien Ulmen-Fernandes Glück: „Ich freue mich, dass ich gut durch die Corona-Zeit gekommen bin. Langweilig war mir jedenfalls nicht.“ In den ersten beiden Wochen hatte sie mit Kalender-Tetris zu tun, da wurde intensiv hin und her geschoben. Aber dann ging es ja schon mit der Corona-Produktion „Familien allein zu Haus“ los. „Ich werde jetzt durchgängig bis Dezember drehen.“

Am Freitag (4. September) erscheint ihr zweites Kinderbuch „Lotti & Otto – Eine Geschichte über ‚echte Kerle‘, alte Vorurteile und neue Freunde“. Sie nimmt es umgehend gegen die Vermutung in Schutz, dass es sich dabei um einen coronabedingten Ausbruch von Kreativität handelt: „Das stellen sich viele so vor, dass man mal eben schnell ein Kinderbuch raushaut. Tatsächlich muss man so etwas aber planen und vorbereiten. Wir haben vor anderthalb Jahren mit der Planung von Teil zwei angefangen, weil Teil eins ein Riesenerfolg war.“

Kämpfen fürs Genderthema

Dieser Erfolg von „Lotti & Otto: Eine Geschichte über Jungssachen und Mädchenkram“, einem der erfolgreichsten Kinderbücher der Verlagsgeschichte, freute die Autorin besonders aus einem Grund: „Ich musste für das Genderthema sehr kämpfen. Da hieß es immer wieder: ‚Gute Idee, aber können wir das Genderthema weglassen?‘ Das war für mich so eine große Bestätigung, dass das doch funktioniert hat.“

In die Rolle der Kinderbuchautorin wurde Collien Ulmen-Fernandes quasi gezwungen: „Mir war einiges im Kinderbuchregal meiner Tochter unangenehm aufgefallen. Da gibt es sehr viele Gutenachtgeschichten, in denen es immer die Mütter sind, die das Kind ins Bett bringen. Wo der Vater ist? Keine Ahnung! Manchmal sitzt er im Wohnzimmer und liest Zeitung. In einer Geschichte ist die Mutter nicht da, weil sie bei einer Freundin zum Prosecco-Abend ist, da müssen die Kinder sich selbst ins Bett bringen. Der Vater wird mit keiner Silbe erwähnt.“ Sie lacht darüber, obwohl sie es eigentlich nicht witzig findet.

„Frauenfiguren sind oft sehr passiv, männliche Figuren immer die Helden. Die Mädchen werden immer als fürsorgliche, glitzernde Prinzessinnen dargestellt, die 100 Jahre schlafen, dann kommt ein edler Ritter und küsst sie wach. Aus Dank heiraten sie ihn sofort. Was ich im Kinderbuchregal vorfand, war dermaßen stereotyp, dass ich mich aufgefordert fühlte, für Alternativen zu sorgen.“ Sie wurde zur Autorin aus Notwehr.

Erste Leserin der Geschichten über Lotti und Otto ist die achtjährige Tochter der Autorin: „Sie ist sehr kritisch. Beim ersten Teil hat sie gemerkt, dass der Dachs im Hintergrund immer einen Rucksack aufhatte. Und nur ihr fiel auf, dass dieser Rucksack auf einer Seite fehlte. Vielleicht wird sie irgendwann mal Kritikerin.“