Die Straßensheriffs sind in Berlin unterwegs. Weil die meisten Falschparker ungeschoren davonkommen, fotografieren Bürger die Parksünder und verbreiteten es im Internet. Unter dem Hashtag #falschparker stellt die Bürgerinitiative 2.0 die Falschparker an den digitalen Pranger.

„Es reicht“, sagt Heinrich Strößenreuther, Chef der Initiative Clevere Städte. Für Strößenreuther „überschreitet eine Minderheit der Autofahrer die Grenze des Erlaubten“. Der Fahrrad-Aktivist ist seit Jahren den Falschparkern auf der Schliche, gründete vor zwei Jahren die App Straßensheriff. Die Idee: Jeder Bürger kann Park-Sünder direkt ans Ordnungsamt melden. Damals scheiterte die Umsetzung am Geld. Jetzt der zweite Versuch: Über die Webseite und App wegeheld.org werden die Blockierer über Twitter im Netz bloßgestellt.

„Je dicker das Auto, umso dreister das Verhalten“

Die Resonanz ist hoch, über 8000 Meldungen hat Strößenreuther bisher ausgewertet. Sein Fazit: „Je dicker das Auto, umso dreister das Verhalten.“ Ginge es nach ihm, sollen – neben dem Digital-Pranger – höhere Bußgelder für freie Radwege sorgen. Saftige Strafen von bis zu 130 Euro fallen in vielen EU-Ländern bereits an. In Deutschland sind es durchschnittlich 20 Euro.
Mit der Methode droht den Falschparkern nicht nur ein Strafzettel. Durch die Veröffentlichung im Internet kann jeder sehen, wo sein Auto in Berlin unterwegs war. Ob das in Jedermanns Interesse ist? Wie die Berliner Polizei mitteilte, ist das Melden erlaubt – auch mit erkennbarem Nummernschild. Persönlichkeitsrechte sein nicht verletzt, da Privatpersonen keine Halterauskunft erhalten. Allerdings landen die Twitter-Meldungen nicht bei den Beamten auf dem Schreibtisch.

Keine Anzeigen

Stefan Redlich, Sprecher der Polizei Berlin, teilte mit, dass die Polizei „Twitter als Kommunikations-Kanal betreibt um Informationen zu verbreiten“. Es werde aber „kein Monitoring“ betrieben. „Wer etwas melden will, muss uns anrufen.“

Dabei will Strößenreuther nicht rigoros Anzeigen erstatten. Vielmehr erklärt er im Gespräch mit dem Berliner Kurier, dass durch den Internet-Pranger „ein Bewusstsein“ geschaffen wird, dass jeder, der falsch parkt, im Netz landen kann. Er hofft das Problem so zu lösen. Erst wenn diese Botschaft nicht greift, rät er: „E-Mail ans Ordnungsamt, mit Ort und Datum.“