Hochbeete und Stellflächen für Fahrräder anstelle von Parkplätze: So stellen sich der Stadtplaner Martin Aarts und das Büro MLA+ die Wolfshagener Straße in Pankow künftig vor.
Visualisierung: MLA+/Martin Aarts

BerlinSie wirken betörend attraktiv, die Vorschläge für die Umgestaltung von fünf Straßen in Pankow. Wo heute noch Autos parken, sollen Kinder spielen, Erwachsene in der Sonne sitzen und Fahrräder parken. Es sind radikale Antworten auf eine ebenso radikale Umnutzung, die im Zeichen der autogerechten Stadt auch Berlin in den vergangenen Jahrzehnten zum Negativen verändert hat.

Straßen sind wertvoller öffentlicher Raum, der allen gehört. Doch Tag für Tag werden große Teile privatisiert – von abgestellten Autos. Wo eine Vielzahl von Aktivitäten und sozialer Austausch möglich wäre, regiert die langweilige Monokultur der „Stehzeuge“.

Es ist verständlich, dass Anwohner und Politiker Straßen ohne Parkplätze fordern. Doch klar ist auch, dass dicke Bretter zu bohren sind, sobald diese Theorie auf den grauen Alltag angewendet werden soll. Autos raus: Diese Forderung empfinden viele als Kampfansage. Viele von ihnen sehen angesichts des Drucks, den die Verhältnisse auf ihr Leben entfalten, keine Alternative zum Auto. Wer sein Fahrzeug braucht oder nicht missen will, wer keine Lust auf Radfahren oder volle Bahnen hat, wird Kontra geben.

In der Tat mutet manche Annahme allzu romantisch an. Selbst wenn Gehwege breiter werden und dort Pflanzen sprießen, werden viele Anwohner weiterhin keine Lust verspüren, ihr Leben dorthin in die Öffentlichkeit zu tragen. Wohnstraßen werden leer bleiben, zumal bei schlechtem Wetter. Ein Beispiel ist die östliche Nollendorfstraße in Schöneberg, die faktisch autofrei ist. Auch die Parklets, die in der Schönhauser Allee frühere Parkplätze belegen, werden kaum genutzt. Umgekehrt gibt es in Berlin viele zugeparkte Straßen, die voller Leben sind. Besser als alle Autos hinauszuwerfen, wäre es, realistisch zu planen. Doch die Debatte hat ja gerade erst begonnen.