Berlin - Auch Nachwuchskräfte, die die Abschlussprüfung nur mit der Note 4 bestanden haben, sollen umgehend in den Staatsdienst übernommen werden. Dagegen allerdings stemmt sich Finanzsenator Ulrich Nußbaum, dessen hartnäckig verfolgtes Ziel es zu sein scheint, den Landesbediensteten das Leistungsprinzip ultimativ einzubläuen.

Vom Prinzip her hat Nußbaum Recht. Die Landesverwaltung sollte sich unter den Bewerbern die Besten aussuchen können. Es geht ja nicht nur darum, dass das klamme Berlin möglichst viel Steuergeld einnimmt. Obendrein wünscht auch der Steuerzahler, nicht auf einen Finanzbeamten zu treffen, der einen Steuerbescheid dreimal korrigieren muss. Und es schadet nicht, wenn Berlin auch mal im Ruf steht, an seine Landesbediensteten besonders strikte Anforderungen zu stellen. Jüngste Berichte aus dem Tempelhofer Finanzamt für Steuerfahndung, wo der Krankenstand hoch ist und während der Dienstzeit Lach-Yoga-Kurse angeboten wurden, legen zumindest nahe, dass mitunter eine gewisse Lässigkeit Einzug gehalten hat.

Gleichwohl fällt auf, dass Nußbaum in dieser Frage völliges anders tickt als Arbeitssenatorin Dilek Kolat (SPD). Betriebe sollten auch Schülern eine Chance geben, die nach ihren Schulnoten zunächst ungeeignet scheinen, forderte Kolat gerade erst bei der Vorstellung ihres Programmes „Berlin Arbeit“. Wäre sie Finanzsenatorin, würde sie die Vierer-Kandidaten wohl ein Jahr als Angestellte auf Probe beschäftigen und dann schauen, ob sie als Finanzbeamte taugen.