Berlin - Der kleine Junge lebte nur eine halbe Stunde. Gerichtsmediziner haben festgestellt, dass das Kind, das am Mittwoch in einer Mülltonne in Buch gefunden wurde, nach der Geburt erstickt ist. Das erklärte am Donnerstag Justizsprecher Martin Steltner.

Inzwischen wurde die 24-jährige Mutter des Kindes einem Haftrichter vorgeführt, der Haftbefehl wegen Totschlags erließ. Madeleine J. gestand, ihr Baby getötet zu haben. Sie hätte Angst gehabt, von ihrem Freund verlassen zu werden, soll sie als Motiv genannt haben. Der 26-Jährige soll der Vater des Kindes sein.

Mutter bisher unauffällig

Madeleine J. lebt seit vier Jahren mit ihren Kindern in einem zehngeschossigen Plattenbau an der Walter-Friedrich-Straße im Pankower Ortsteil Buch. In dieser Zeit brachte sie ihre zwei Söhne zur Welt. Der einjährige Luca und sein drei Jahre alter Bruder Leon wurden am Mittwoch in die Obhut des Jugendamtes gegeben.

Nach Angaben der Pankower Jugendstadträtin Christine Keil (Linke) lebte die Frau unauffällig. Das heißt, sie wurde weder vom Jugendamt betreut noch war sie bei der Behörde bekannt.

Eine Hebamme hatte Madeleine J. während ihrer Schwangerschaft betreut. Am vergangenen Mittwoch besuchte sie die 24-Jährige in deren Wohnung. Dabei fiel der Hebamme auf, dass die junge Frau nicht mehr schwanger war, sich aber kein Neugeborenes in der Wohnung befand. Madeleine J. antwortete zudem ausweichend auf die Frage, wo ihr Kind sei. Die Hebamme wurde stutzig und alarmierte die Polizei.

Bei ihrer Vernehmung habe sich die Frau in Widersprüche verstrickt, sagte ein Ermittler. Deshalb sei nach dem Säugling in der Umgebung des Hauses gesucht worden. Die Beamten fanden schließlich das tote Kind in der Mülltonne. Es war in einem Tuch eingewickelt und lag in einem blauen Müllsack.

Ohne Ausbildung

Madeleine J. hat keinen Beruf gelernt. Eine Ausbildung hätte sie wegen einer Schwangerschaft abbrechen müssen, erzählten Nachbarn. Zuletzt wollte sie Bürokauffrau werden und hatte auch eine Lehrstelle in Aussicht.

Der Freund der Frau wurde inzwischen ebenfalls mehrfach von der Polizei befragt. Er wohnt zurzeit bei Verwandten. Der Mann habe nach den bisherigen Ermittlungen mit der Tat aber überhaupt nichts zu tun, sagte Justizsprecher Steltner.

Die Todesumstände des Säuglings sind noch nicht abschließend geklärt. Es könne sein, dass der Junge in dem Sack erstickt ist, sagen Ermittler. Möglich ist aber auch, dass der Säugling bereits tot war, als er in die Tüte gelegt worden ist.