Meret Becker (von links), Jenny Schily, Leonie Benesch, Hannah Herzsprung, Liv Lisa Fries und Fritzi Haberland kommen zur Weltpremiere der neuen Staffel von "Babylon Berlin" im Zoo-Palast
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BerlinLiv Lisa Fries und Volker Bruch dürften so langsam aber sicher das „Derrick“-Problem bekommen. Ihre Serie „Babylon Berlin“, deren dritte Staffel am Montagabend im Zoo-Palast Premiere feierte, wird nämlich tatsächlich in alle Welt verkauft. Was bedeutet, dass für die beiden Hauptdarsteller die Suche nach einem Urlaubsort, an dem sie nicht erkannt und behelligt werden, inzwischen ähnlich schwierig verlaufen dürfte wie damals beim Derrick-Darsteller Horst Tappert. Es war also keine dreiste Übertreibung, sondern der reine Realitätssinn, dass die Veranstalter mit dem Begriff „Weltpremiere“ eingeladen hatten.

Liv Lisa Fries wird in ihrer Rolle als Charlotte Ritter ab sofort nicht nur in Europa, Nordamerika und Australien zu sehen sein, künftig erweitert sich das Sendegebiet auch um Afrika und China auf etwa 100 Länder. Das deutsche Publikum bekommt die zwölf neuen Folgen vom 24. Januar an auf dem Bezahlsender Sky zu sehen, ab Herbst dann im Ersten. Die Pankowerin ist auf das Ergebnis der Arbeit stolz: „Ich finde es noch besser als die ersten beiden Staffeln. Sage ich nicht nur, weil ich da mitspiele oder weil ich dafür bezahlt wurde. Sondern es ist wirklich richtig, richtig toll geworden.“

Ronald Zehrfeld und Meret Becker sind neu in der Serie und ebenfalls voll des Lobes. Zehrfeld ist von der Akribie der Ausstattung begeistert: „Bis ins kleinste Detail, bis zum Aschenbecher." Meret Becker schwärmt über die Regisseure: „Dass sie immer wieder Musiken finden, die einfach Hits sind!"

Jacob Matschenz spielt in „Babylon Berlin“ die Rolle Fritz, die es in der Romanvorlage gar nicht gibt. Wenn er wegen Fritz mal erkannt und angesprochen wird, dann im Ausland. Zuletzt in Tschechien: „Da wurde ich aufgeregt gefragt, ob wir jetzt dort drehen.“ Matschenz hat auch mit Verwechslungen so seine Erfahrungen: „Es gab eine Zeit, da wurden Frederick Lau und ich ständig füreinander gehalten.“ Kein Problem: „Wir haben miteinander den Deal, dass wir das Foto des anderen bei Autogrammwünschen signieren.“

Regisseur Tom Tykwer und Marie Steinmann
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Matschenz liebt Serien, wenn sie ihn bis spätestens zur dritten Folge reinziehen und nicht mehr loslassen: „Am vorigen Sonnabend ist mir das bei der Teampremiere der dritten Staffel von ‚Babylon Berlin‘ so gegangen. Die hat noch mehr Drive als die erste und zweite.“ Wenn er um eine aktuelle Serienempfehlung gebeten wird, dann verweist er auf „Mindhunter“ bei Netflix: „Die beste Serie aller Zeiten wird aber immer ‚Sopranos‘ bleiben.“

Caro Cult stößt in der dritten Staffel zum Ensemble von „Babylon Berlin“. Die Wahl-Berlinerin, die schon in Anika Deckers „High Society“ gespielt hat und 2019 für die Netflix-Serie „Biohackers“ vor der Kamera stand, spielt in „Babylon Berlin“ die neue Rolle der Vera. „Sie weiß, was es heißt, Frau zu sein und setzt das ein. Ich denke, sie hat früh verstanden, dass man sich durchbeißen muss.“

Tom Wlaschiha (von links), Rick Okon und August Wittgenstein im Zoo-Palast.
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Volker Kutscher lieferte mit seinen in den Jahren 1929 bis 1935 spielenden historischen Kriminalromanen um den aus Köln stammenden Berliner Kommissar Gereon Rath die literarische Vorlage für „Babylon Berlin“. Tom Tykwer, Achim von Borries und Henk Handloegten haben sich auch für die dritte Staffel wieder großzügig bei Kutschers Romanen bedient und in Anlehnung daran die Drehbücher geschrieben und Regie geführt.

Zu seinen an der Spree spielenden Büchern wurde Kutscher durch seine kindliche Lektüre von Kästners „Emil und die Detektive“ und „Pünktchen und Anton“ und durch Döblins „Berlin Alexanderplatz“ inspiriert. Als er in den 80er-Jahre zum ersten Mal in Berlin war, erstaunte ihn, wie vieles von dem, was er sich erlesen hatte, in der Stadt noch zu finden war. Produzent Stefan Arndt mag Kutscher als Ratgeber: „Er weist uns immer auf Fehler hin, wenn ein Haus erst 1930 eröffnet wurde.“

Tom Tykwer berichtet von einer Änderung, die die Arbeit zunächst vereinfachte, dann aber Zusatzstunden am Computer kostete: „Wir drehen jetzt nicht immer so die Häuserecken, die gerade noch passen, sondern laufen einfach durch die Stadt und schwenken nach links und nach rechts. Und versuchen nachher alles zu reparieren, damit es halbwegs echt aussieht.“