Als Gelegenheitsschwimmer fällt die Vorstellung schwer, nur mit Badehose oder Bikini bekleidet nahe der Schlossbrücke in das finstere Wasser der Spree zu steigen – und dort auch noch genüsslich ein paar Schwimmzüge zu machen. Zumindest das Ambiente mit Museen, Lustgarten und bald dem Schlossnachbau könnte historischer nicht sein und für ein einmaliges Erlebnis sorgen. Dass die Idee von einer Badeanstalt an der Spree keine verrückte Utopie ist, will der Verein Flussbad Berlin am Sonntag unter Beweis stellen: Er richtet mit der Triathlon Union erstmals den Schwimmwettbewerb „Berliner Flussbad Pokal“ aus.

1000 Meter auf eigenes Risiko

Das Rennen im Spreekanal wird nur für geübte Freiwasserschwimmer ausgerichtet, also nicht für Jedermann. Mehr als 80 Sportler haben sich angemeldet. Start und später auch Ziel ist um 15 Uhr am Bodemuseum, an der Schlossbrücke wird eine Wendeboje verankert, so dass die Gesamtdistanz 1000 Meter beträgt.

„Taucher suchen vorher den Kanal nach gefährlichen Gegenständen ab. Wir weisen die Schwimmer auf gesundheitliche Fragen hin und darauf, dass sie auf eigenes Risiko teilnehmen“, sagt Barbara Schindler vom Verein. Die Wasserqualität wurde schon analysiert und ist unbedenklich, die Spree ist schon jetzt sauberer als vermutet. Nur Starkregen oder ein Unwetter könnten noch zu einer kurzfristigen Absage führen, sollte Schmutzwasser in den Fluss gespült werden.

Der Verein hat inzwischen per Studie nachgewiesen, dass der als Kupfergraben bekannte Seitenarm der Spree als Flussbad ausgebaut werden kann. 750 Meter lang soll die Badeanstalt zwischen Bode-Museum und Schleusenbrücke sein. Am Schlossplatz und am Lustgarten sind große Treppenanlagen vorgesehen, ebenso ein langer Steg.

Damit die Berliner und badenden Touristen in der Spree nicht ihre Gesundheit ruinieren, soll zwischen Gertrauden- und Schleusenbrücke ein riesiges Filterbecken mit dicker Kiesschicht und Schilf zur natürlichen Reinigung des Flusswassers angelegt werden. Der obere Teil des 1,6 Kilometer langen Kanals wird zu einer Biotoplandschaft umgestaltet.

„Die Filterung eines Flusses ist komplettes Neuland“, sagt Barbara Schindler. Daher hat der Bund das Flussbad Ende 2014 als ein Nationales Projekt des Städtebaus ausgewählt und gibt 2,6 Millionen Euro Fördermittel, der Senat packt 1,4 Millionen Euro drauf. Mit dem Geld soll die Planung für das Flussbad erarbeitet werden. Die erste Studie wird nun in der Stadtentwicklungsbehörde geprüft. Gespräche mit Denkmalpflegern stehen aber aus, denn für die Treppen müssten die geschützten Kanalmauern am Welterbe Museumsinsel weichen.