Um zu viel nackte Haut sorgen sich die Betreiber des Vabali Spa ganz in der Nähe des Hauptbahnhofes. Auf dem weitläufigen Areal mit seinen zahlreichen Saunen, Pools, Ruheräumen, Massagebereichen und Außenanlagen soll es deshalb nun eine Art Bademantelpflicht geben.

„Auf vielfachen Wunsch und Anregung unserer Gäste bitten wir Sie, ab dem 1. März 2018 außerhalb unserer Saunen und Pools immer einen Bademantel zu tragen“, teilt die Geschäftsführung nun auf der Vabali-Homepage mit. Saunen und Pools selbst können aber weiter ohne Bekleidung genutzt werden.

„German Freikörperkultur“

Tatsächlich gab es in Reiseberichten und Freizeitforen im Internet schon längere Zeit Klagen über angeblich zu viel zur Schau gestellte Nacktheit, gerade im Außenbereich oder in den Ruheräumen. Dabei spielen offenkundig auch verschiedenartige kulturelle Prägungen eine Rolle: Britische Besucher berichteten in leicht verstörtem Ton über „German Freikörperkultur“ im Vabali.

Auch aus den USA stammende Besucher sollen sich irritiert gezeigt haben. Wer sich am Rand eines texanischen Pools beim Umkleiden kurz nackig zeigt, muss bekanntlich mit einer Festnahme durch die Polizei rechnen. Und auch im Vereinigten Königreich gibt man sich traditionell eher zugeknöpft, was jegliche Form von Körperlichkeit angeht.

In Hausordnung aufgenommen

Doch auch deutschsprachige Vabali-Besucher erschauderten über „wie Seesterne ausgebreitete Gliedmaßen und haarige Geschichten auf Frotteehandtüchern“. Mitunter würden sich Besucher, die nicht im Entferntesten an ein Unterwäschemodell erinnern, nackt auf den Wasserbetten in den Ruheräumen räkeln, berichtet auch ein Mitarbeiter. Das habe auch katholisch geprägte Besuchergruppen aus Italien verunsichert.

Dagegen loben die FKK-Freunde in ihrem Internetforum, dass man im Vabali bisher auch nackig und umbeschämt umhergehen konnte. Eine New Yorker Historikerin machte in einem Sachbuch gar „ein erdig deutsches Selbstverständnis, welches Nacktheit einfach in Ordnung findet“ aus. Wohlgemerkt: Schon jetzt laufen die meisten Vabali-Besucher mit Handtuch oder Bademantel bekleidet durch die Ruheräume oder den Außenbereich. Doch gibt es auch immer mal wieder Nackige oder Menschen, die sich trotz Handtuchgebrauchs kaum bedecken.

Vor Ort gibt es Bademäntel

„Wir haben die Anregung unserer Besucher, dass sich Gäste außerhalb der Saunas und Pools mit einem Bademantel bedecken möchten, ernst genommen und deswegen aus unserem Saunaknigge mit in die Hausordnung aufgenommen“, erklärte Erik Haferburg, Betriebsleiter des Vabali Spa Berlin auf Anfrage. „Wir wollen, dass sich alle Gäste bei uns wohlfühlen.“ Man werde Gäste nun verstärkt auf die Regelung hinweisen und sie bitten, sich daran zu halten.

„Falls ein Gast nicht weiß, dass das Vabali Berlin keine FKK-Anlage ist, gibt es vor Ort die Möglichkeit, einen Bademantel auszuleihen“, sagte Haferburg. Textilfrei seien neben Sauna und Pool jetzt nur noch bestimmte Sonnenliegen und eine Liegewiese im Sommer. Offenbar nimmt das Unternehmen Theune Spa Management, das das Vabali Spa Berlin betreibt, noch weiter Rücksicht auf die in Ostdeutschland besonders ausgeprägte Freikörperkultur.

Anderswo nur mit Badehose

Denn in den anderen Thermen des Unternehmens können die Besucher nur in der Sauna nackig sein. Die Schwimmbecken in Köln und in Bad Oeynhausen sind nicht textilfrei, sondern nur mit einer Badehose zu benutzen. In Düsseldorf soll man sich außerhalb der Saunen mit einem Bademantel bedecken.

Das Vabali Spa Berlin hat eine Fläche von 20.000 Quadratmetern, ist in einen Park integriert und gerade laut Testberichte.de zur beliebtesten Therme Deutschlands gekürt worden. Nachempfunden ist es nach Firmenangaben einem balinesischen Dorf – bald auch noch mit Bademantel-Kontrolle.