Ein Bad im Herzen Berlins nehmen und an Stadtschloss, Lustgarten und den großen Museen entlang schwimmen - das klingt verlockend. Die Initiative „Flussbad Berlin“ will an der Spree eines der schönsten Flussbäder der Welt bauen. „Spätestens 2025 wollen wir das Flussbad eröffnen. Dann wäre es 100 Jahre her, dass die Berliner in der Spree baden konnten“, sagt Susanne Bernstein, Koordinatorin der Geschäftsstelle.

In Städten wie Zürich ist das Flussbaden schon lange Realität und gehört zum Stadtleben dazu: In der Mittagspause schnell in die kühle Limmat springen - in Zürich kein Problem. Hier tummeln sich auch nach Feierabend hunderte Bewohner in den Flussbädern der Schweizer Stadt. Allein elf sogenannte Badis gibt es dort - Badestellen entlang der Limmat und am Ufer des Zürichsees. Ein großer Swimmingpool an heißen Sommertagen. Echt beneidenswert, die Züricher!

Auch in New York setzen sich Privatinitiativen für die Entstehung von Flussbädern ein. In Köln hingegen baden jetzt schon viele im Rhein. Doch der Fluss wird auch schnell zur Todesfalle. Die Strömung ist sehr gefährlich. Auch in Hamburg wird in der Elbe gebadet, doch die Stadt rät davon ab. Ebenso schlechte Karten haben die Frankfurter. Der Main eignet sich wegen des Schiffverkehrs kaum zum Baden. Einzig in München reiche die Wasserqualität der Isar aus, um darin unbedenklich schwimmen zu können. Noch vor 100 Jahren war die Spree in Berlin ein Paradies für Badefans. Es gab viele Flussbäder und Badestellen in der Innenstadt, doch bis Mitte der 1920er wurden sie aus hygienischen Gründen geschlossen.

Doch nun entfacht die Initiative eine neue Debatte in Berlin. Dass ein Flussbad Berlin auch bereichern würde, steht außer Frage. Doch während in Mitte ein neuer Erholungsort geplant wird, sind Behörden und Unternehmen in Berlin und Brandenburg um Schadensbegrenzung für den geplagten Fluss bemüht. Weitere Spree-Badestellen sind vorerst nicht in Sicht.

Spree fließt zu langsam

Die Folgen des Bergbaus in der Lausitz, Abwässer und Einträge aus der Landwirtschaft sind nur einige Probleme, mit denen der Fluss zu kämpfen hat, der an manchen Tagen die Bezeichnung nicht verdient. Die Spree führt mitunter so wenig Wasser, dass sie steht oder rückwärts fließt. „Von der Wassermenge her ist die Spree ein Dorfbach“, sagt Manfred Krauß vom Bund für Umwelt- und Naturschutz Berlin. Die geringe Wassermenge und Fließgeschwindigkeit seien für die Selbstreinigungskraft problematisch.

Berechnungen der Berliner Wasserbetriebe (BWB) zufolge fließt die Spree in Berlin mit einer Geschwindigkeit von etwa fünf Kubikmetern pro Sekunde und braucht gut zwei Wochen durch die Stadt. Der Rhein schafft etwa 2000 Kubikmeter pro Sekunde. Mitschuld am geringen Wasserstand ist der Tagebau: Während zu Zeiten des aktiven Braunkohletagebaus in der Lausitz noch abgepumptes Grundwasser in die Spree eingeleitet wurde, werden laut BUND jetzt mit Wasser aus dem Fluss ehemalige Tagebaulöcher gefüllt - mit negativen Folgen für den Wasserstand.

Tote Fische und Fäkalien

In Berlin plagen die Spree vor allem ungefilterte Abwässer. Etwa 30 Mal jährlich, wenn es besonders stark regnet, fließen sie ungeklärt in die Gewässer, weil die Kanalisation die Massen nicht auffangen kann. Wenn die Umstände besonders ungünstig sind, können Fische sterben, wie zuletzt im Juni im Landwehrkanal. „Etwa vier Tonnen Fisch mussten entsorgt werden“, sagt Fischereibiologe Jens Puchmüller vom Fischereiamt.

Mit einem groß angelegten Programm wollen die Berliner Wasserbetriebe bis zum Jahr 2020 etwa 300.000 Kubikmeter unterirdischen Stauraum für verschmutztes Wasser schaffen. Abwasser aus der Berliner Kanalisation soll dann seltener in die Spree und Kanäle fließen.

Andere Sorgen hat Brandenburg. Seit etwa zwei Jahren beunruhigt die Braunfärbung der Spree - vor allem im bekannten Tourismusgebiet Spreewald - die Anwohner. In stillgelegten Braunkohle-Tagebauen dringt Eisenocker ins Grundwasser, färbt es braun und gelangt so in die Flüsse. Nach dem Start eines Zehn-Punkte-Programm 2013 geht die Belastung mit Eisenocker nach Angaben der Landesregierung zurück.

Sonst keine Badestellen in Sicht

Immer wieder gab es auch Meldungen über eine erhöhte Sulfat-Belastung der Spree, die inzwischen auch Berlin erreicht hat. „Im Wasserwerk Friedrichshagen messen wir derzeit 280 Milligramm pro Liter“, sagt der Vorstandsvorsitzende der Berliner Wasserbetriebe. Für das Trinkwasser sei dieser Wert noch unkritisch“, sagt Vorstandschef Jörg Simon. Länderübergreifend werde nun aber versucht, das Problem einzudämmen. Als Verursacher für die Sulfatbelastung der Spree gilt ebenfalls der Braunkohlebergbau. Laut einer Studie hat die Sulfatbelastung des Flusses ihren Höhepunkt erreicht.

Schon 2004 hatte Brandenburg einen „Masterplan Spree“ aufgestellt, mit dessen Hilfe der Fluss renaturiert und in einen „langfristig überlebensfähigen Zustand“ versetzt werden sollte. Zehn Jahre waren dafür eigentlich angepeilt. Doch die Arbeit ist längst nicht abgeschlossen: Verschiedene Projekte sind laut Umweltminister Jörg Vogelsänger (SPD) angelaufen. Momentan seien die Maßnahmen insbesondere darauf gerichtet, die Eisenbelastung und die Sulfatkonzentration weiter zu senken.

Damit Badegäste im Berliner Flussbad keine Risiken für ihre Gesundheit fürchten müssen, ist dort unter anderem eine große natürliche Filteranlage mit Bepflanzung geplant. Auch Abwasser muss in dem Bereich abgefangen werden. Andere innerstädtische Badestellen an der Spree sind derzeit nicht in Sicht. „Wir haben einige Stellen, bei denen wir optimistisch sind, dass wir in einigen Jahren Badewasserqualität erreicht haben“, sagt Umweltsenator Geisel mit Blick auf Grünau und Köpenick. „Im Innern der Stadt wird es noch länger dauern“, ergänzt Geisel. In der Rummelsburger Bucht, wo Anwohner sich eine Badestelle wünschten, rechne er mit 20 Jahren. (dpa/BLZ)