Berlin liegt am Wasser, und der Berliner tut das auch ausnehmend gerne. Oder er springt hinein – egal, ob in Fluss, See oder Becken. Mit dem Entstehen dicht besiedelter Quartiere wuchs das Bedürfnis der Menschen nach Licht, Luft, Sonne und Wasser so sehr, dass allenthalben Badeanstalten entstanden.

Die wiederum dienen niemals nur als Sport- und Ruheplätze sondern immer auch als Ausstellungsorte. Das erkennen wir auf den ersten beiden Bildern sofort. Tollkühne Männer in  Ringelbadeanzügen nach der Mode des Jahrhundertbeginns, die sich echt was trauen – aus dem Handstand in ungefähr acht Metern Höhe kopfüber ins Wasser. Doch beachte man auch die Positionen auf dem Ein-Meter- und Drei-Meter-Brett.

Im Herrenbad des Sport-Seebades Halensee  ging es 1909 recht ausgelassen zu. Man stelle sich vor, es wären noch Damen als bewunderndes Publikum anwesend gewesen und hätten die Herren zu weiteren Kunststücken angetrieben. Aber schon der Artist auf dem hohen Brett hat die Aufmerksamkeit seiner Mitbader.

Im Hintergrund der hölzernen Badeanstalt mit Umkleiden und Toiletten sieht man die herrschaftlichen Villen des aufstrebenden Berliner Vorortes Halensee, der in jener Zeit als bevorzugter Wohnort pensionierter Militärs, Beamten und Literaten heranwuchs.

Am anderen Ende der Stadt bot das Strandbad Müggelsee in Rahnsdorf ein wahres Volksvergnügen. 1912, im Gründungsjahr der Anstalt, zählte man schon mehr als 177.000 Besucher. Auf dieser Aufnahme aus den 1950er-Jahren liegen die  Leute dicht an dicht.

Das Bad war kürzlich auf eine Kapazität von 25.000 Gästen erweitert worden. So kurz nach dem Krieg verreiste man nicht großartig, man suchte das nahe liegende Gute. Auffällig auch:  Hier trägt niemand Wohlstandsspeck. Und in der kleinen Gruppe vorn zeigt ein junger Mann  spezielles DDR-Design: die Dreiecksbadehose, viel geliebt und ebenso häufig verspottet, heute auf dem Weg zum Kultobjekt.

Teil Drei dieser Berliner Badegeschichte spielt mitten in der Stadt: Planschen genannte Wasserbecken beglückten die Kinder nach dem Wiederaufbau der einstigen Trümmerlandschaften. Dutzende davon gab es, meist unauffällig zwischen den Wohnblocks gelegen in Friedrichshain, Mitte oder Pankow. Das Wasser war nur wenige Zentimeter hoch, sodass den Kleinen keine Gefahr drohte.

Ein Stück Wiese, ein großer Spaß an warmen Tagen vor der Haustür, hier ein Schnappschuss aus dem Jahr 1958. Einige wenige der Planschen sind heute noch in Betrieb, viele wurden nach der Wende aus hygienischen Gründen geschlossen, die meisten sind leider verfallen. 

Ersatz gibt es kaum. Immerhin wird für einige Planschen in Friedrichshain die Neueinrichtung geprüft. Sie werden sehr vermisst – Eltern und Großeltern hätten für den Nachwuchs gerne, was sie selber einst so glücklich machte.

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