Torsten Scholz (r.) mit Frau Daniela und Sohn Christian (l.).
Foto: Matthias Koch

Berlin-KöpenickBeim Fußball-Bundesligisten 1. FC Union ruht der Spielbetrieb. Nur vereinzelt lassen sich Spieler im Stadion An der Alten Försterei blicken, um im Kraftraum individuell zu trainieren. Viele der 200 Festangestellten sitzen jetzt im Homeoffice statt in den Stadion-Büros.

Die Coronavirus-Pandemie hat auch direkte Auswirkungen auf die Geschäftspartner des Vereins. Stellvertretend nannte Präsident Dirk Zingler auf der Pressekonferenz zum später ganz abgesagten Geisterspiel gegen Bayern München die Bäckerei und Konditorei Scholz. „Ich habe Frau Scholz getroffen, die uns seit Jahren mit Brötchen beliefert. Für die fällt ein riesengroßer Kunde weg. Fußball ist ein großer Wirtschaftszweig und Ernährer von Menschen. Um die mache ich mir Sorgen“, sagte Zingler.

Im Ladengeschäft in Köpenick herrscht durchaus Betrieb. „Die Leute kaufen Brot wie die Bekloppten, um es einzufrieren. Das dürften Hamsterkäufe sein. Wir verkaufen auch mehr H-Milch. Da ist ganz viel Panik dabei“, sagt Bäckermeister Torsten Scholz.

Auch das Geschäft mit Krankenhäusern wird schwieriger. Bistros schließen, weil sie keine Besucher mehr empfangen dürfen. Der RBB hat seine Bestellungen um die Hälfte gekürzt. Höffner Berlin fällt als Kunde vorerst ebenso weg, die Möbelhäuser sind geschlossen.

Kredite, Energie- und Mietkosten laufen weiter

Scholz ist Fan und Sponsor der Eisernen – und Auftragnehmer. Er liefert in dieser Saison pro Heimspiel für den VIP-, Medien- und Mannschaftsbereich 3500 bis 4000 Brötchen, 50 bis 80 Brote und 500 bis 600 Stück Kuchen. Hinzu kommen belegte Brötchen. Scholz beziffert die Ausfallkosten pro Spiel auf 2500 bis 4000 Euro.

Auch das Geschäft in der Woche bricht weg. Für Trainingstage mit Vormittagseinheiten ordert Mannschaftsleiterin Susanne Kopplin Brötchen, wenn Bedarf besteht. „Das sind kleinere Bestellungen für 20 bis 25 Euro. Aber das summiert sich auch. Zum letzten Info-Frühstück am 14. März wurden für den Kader belegte Brötchen und Marmorkuchen geordert.

Wann es wieder so sein wird, ist offen. Union hat den Wiederbeginn des Mannschaftstrainings vom 20. auf den 31. März verschoben. 

Scholz-Sohn Christian steht Tag für Tag ab 18.30 Uhr in der Backstube. Für die 3500 bis 4000 Brötchen für Union-Spiele braucht er rund vier Stunden. In dieser Saison aber wohl nicht mehr. „Selbst wenn die Bundesliga wieder auflebt, wird das ohne Zuschauer sein“, weiß Vater Torsten. „Die Angestellten wollen trotzdem ihr Geld haben. Energie- und Mietkosten sowie Kredite laufen weiter“, sagt Scholz. Von neuen Krediten hält Scholz nichts, da die auch zurückgezahlt werden müssen.