Berlin - Acht Monate nachdem die Eintrittspreise für die Berliner Bäderbetriebe erhöht wurden, bittet das Landesunternehmen erneut zur Kasse. Am Freitag beschloss der Aufsichtsrat eine neue Tarifstruktur für 2014. Auch wenn man sich noch nicht offiziell im Detail äußern will, ist eines sicher: Zu den begehrten Öffnungszeiten wird das Baden teurer. Laut Informationen des Rundfunks Berlin Brandenburg (rbb) soll der Preis für ein Einzelticket auf 5,50 Euro (statt bisher 4,50 Euro) steigen. Dafür soll das Schwimmen in schlechter besuchten Zeiten, etwa über Mittag, günstiger werden. Die Bäderbetriebe erhoffen sich so Mehreinnahmen von jährlich 2,2 Millionen Euro.

Die Innenverwaltung, deren Chef Frank Henkel (CDU) dem Aufsichtsrat vorsitzt, wollte sich nach der Sitzung zu einzelnen Tarifen nicht äußern. In Abwesenheit von Henkel, der an den Koalitionsgesprächen der Bundestagsfraktionen teilnahm, sagte sein Sprecher Stefan Sukale, es seien noch Änderungen zur vorgeschlagenen Tarifstruktur gemacht worden. Diese werde der Bäder-Vorstand jetzt noch einarbeiten. Prinzipiell aber gelte, so Sukale: „Die Tarifsatzung ist beschlossen worden.“ Nach seinen Worten werde der Vorstand die neuen Tarife am Dienstag veröffentlichen. Davon unabhängig müsse am Ende die Innenbehörde der neuen Satzung zustimmen, so Sukale.

Bested Hensings zweiter Anlauf

Die geplante Preiserhöhung ist mindestens der zweite Versuch des neuen Vorstandsvorsitzenden Ole Bested Hensing eine Perspektive aufzuzeigen, wie Berlins Schwimmbäder ihre Defizite verringern könnten. Obwohl die Bäder jährlich rund 20 Millionen Euro durch Eintrittskarten einnehmen, arbeiten sie nicht rentabel. Im Gegenteil: Jedes Jahr schießt der Senat 45 Millionen Euro zu. Und ein Ende ist nicht absehbar.

Im Jahr 2012 kamen die 63 Bäder auf ein Defizit von insgesamt 43,4 Millionen Euro. Als besonders defizitär erwies sich dabei die hervorragend ausgestattete Schwimm- und Sprunghalle im Europapark (SSE) an der Landesberger Allee. Die Halle, in der Wettkämpfe stattfinden und die auch schon Schauplatz von Schwimm-Weltmeisterschaften war, schlägt mit 3,25 Millionen Euro pro Jahr zu Buche. Der Grund: Die SSE wird nur zu 42 Prozent von der (Eintritt zahlenden) Öffentlichkeit genutzt, zu 53 Prozent trainieren dort Vereine – der Rest entfällt auf Schulschwimmen.

Ein vergleichsweise geringer Aufwand wird dagegen für die Schwimmhalle Thomas-Mann-Straße betrieben. Sie erwirtschaftet jährlich ein Minus von 72.000 Euro. Absurd: Das marode Bad in Prenzlauer Berg ist seit langem geschlossen und wird saniert. Die Kosten für den Unterhalt fallen an, obwohl niemand dort schwimmen kann. Geschlossen sind auch die Kombibäder Spandau-Süd und Gropiusstadt sowie die Schwimmhalle Finckensteinallee in Lichterfelde – diese drei Bäder soll nächstes Jahr wieder öffnen.

Die Zahlen und Beispiele stammen aus einer Antwort der Innenverwaltung auf eine parlamentarische Anfrage – und sie sind Wasser auf die Mühlen des neuen Vorstands der Bäderbetriebe. Denn zum scheinbar ewigen Defizit im laufenden Betrieb kommt ein großer Sanierungsbedarf. 70 Millionen Euro werden für die Sanierung benötigt, mindestens die selbe Summe ist in den vergangenen Jahren dafür schon aufgebracht worden. Deshalb hat Vorstands-Chef Bested Hensing vorgeschlagen, bis zu 14 Bäder zu schließen. Stattdessen wollte er fünf Kombibäder (Frei- und Hallenbad) neu bauen – unter anderem eines im Tierpark Friedrichsfelde. Diese seien attraktiver und deshalb auf lange Sicht rentabler. Doch mit diesem Konzept kam er im September im Aufsichtsrat nicht durch. Politiker fast aller Parteien lehnten die Streichliste ab. Man wolle an wohnortnahen Kiez-Bädern festhalten, hieß es.

Bested Hensing muss derzeit sein Papier überarbeiten und mit allen Gremien abstimmen. Die Innenverwaltung erwartet ein neues Konzept frühestens im Februar.