Fugees Poster von dem Film: Block Party.
Foto: imago images/Mary Evans

BerlinDer Fußweg zum Bäcker führt vorbei an einer Pop-up-Fahrradspur. Daneben staut sich der Autoverkehr. Ist irgendwie auch kein Wunder, wenn sich plötzlich eine unveränderte Zahl von Autos auf einer reduzierten Anzahl von Fahrbahnen bewegt und gleich wegen eines Nadelöhrs in Form einer Baustelle auf lediglich noch eine ausweichen muss. Diese provisorischen Radwege, die offenbar langfristig bleiben sollen, sind so toll wie schlecht durchdacht. Weder sind sie in ein größeres Verkehrskonzept eingebunden noch gibt es wirksame Maßnahmen zur Reduzierung des motorisierten Individualverkehrs. Was ist eigentlich aus dem 365-Euro-Jahresticket geworden?

Puh, für diese Uhrzeit sind das schon fast zu viele staatstragende Gedanken, noch dazu auf leeren Magen und ohne einen Kaffee getrunken zu haben. Also einbiegen in die Straße mit dem Bäcker, dessen Tür offen steht, aber keinen Einlass gewährt: Drinnen wird eine Kundin bedient, vor den Stufen haftet ein verwittertes Klebeband zur Orientierung beim Abstandhalten.

Zwei Frauen, die ebenfalls zum Bäcker wollen, bewegen sich verdächtig zielstrebig auf die Tür zu, statt sich draußen einzureihen. Im letzten Moment scheinen sie zu begreifen, dass es womöglich einen Grund dafür geben könnte, wenn andere auf Höhe eines Klebebands vor einem Laden stehen und warten. Sie fügen sich also und postieren sich in einer inakzeptabel niedrigen Distanz. Umdrehen, böser Blick – das ist inzwischen ebenso geübte Praxis wie die darauffolgende Reaktion: Mürrisch murmelnd ziehen sie sich einen Schritt zurück. Vielleicht würde ein T-Shirt mit dem Aufdruck „Superspreader“ die Mitmenschen auf Distanz halten.

Auf dem Rückweg entlang der Pop-up-Spur durchdringt ein Basslauf die Luft. Ein Song der Fugees, HipHop aus den 90er-Jahren. Der Beat fügt sich perfekt ein in den milden Morgen mit seinen Sonnenstrahlen, die langsam über die Häuser lugen. Der Kopf beginnt, im Takt zu nicken und das Umfeld nach der Quelle abzusuchen. Die steht im Stau. Im gleichen Moment guckt die gut gelaunte Frau aus ihrem geöffneten Seitenfenster, die Blicke treffen sich. Einem eingeschworenen Zunicken folgt ein aufrichtiges Lächeln, das sich vom einen Ohr zum anderen zieht und noch anhält, als die Brötchen schon aufgeschnitten sind.