Bei Temperaturen um minus zehn Grad hat die Deutsche Bahn mehrere Wartende einfach nicht in den Zug nach Berlin einsteigen lassen. Darunter waren auch zwei Minderjährige, ein 16 Jahre altes Mädchen und ein 17-jähriger Junge.

Die Fahrgäste warteten am Sonnabend im uckermärkischen Casekow auf den Zug nach Berlin. Die Bahn fuhr zwar ein, doch die Türen blieben zu. Der Zugbegleiter öffnete lediglich ein Fenster und rief den frierenden Wartenden zu, der Zug sei voll. Nicht mal eine Tür könne geöffnet werden. Die Leute auf dem Bahnsteig sollten doch auf den nächsten Zug in zwei Stunden warten.

„So etwas geht doch nicht“, sagte am Dienstag Simone Haar, die Mutter des 17-jährigen Jugendlichen, empört. Ihr Sohn habe um 9.01 Uhr mit der Bahn zu seiner Freundin nach Eberswalde fahren wollen. Doch er sei einfach stehen gelassen worden. Am Bahnhof gebe es kein beheiztes Wartehäuschen. Ihr Sohn habe nicht mal ein Handy dabeigehabt, um Hilfe zu holen. Zum Glück liege in der Nähe ein Baumarkt, in dem er sich aufwärmen konnte.

Ein Wagen defekt

Die Bahn bestätigte am Dienstag den Vorfall. „Wenn ein Zug voll ist, dann kann kein Fahrgast mehr mitgenommen werden. Es ist ärgerlich. Aber die Bahnmitarbeiter haben korrekt gehandelt“, sagte Bahnsprecher Holger Auferkamp. Normalerweise fahren zwei aneinandergekoppelte Triebwagen auf der Strecke, doch einer der Wagen sei defekt gewesen und der Zug damit überfüllt. „Der Triebwagenführer musste in Casekow neun wartende Fahrgäste auf dem Bahnsteig zurücklassen“, sagte Auferkamp. Die Bahn könne sich dafür nur entschuldigen.

Für Andreas Schwarze vom Fahrgastverband pro Bahn ist das ein ungeheuerlicher Vorgang. „Die Bahn hat eine Personenbeförderungspflicht“, sagte Schwarze. Und wenn der Zugbegleiter in Casekow merke, dass er keine Reisenden mehr mitnehmen könne, dann müsse er bei seiner Transportleitung einen Ersatzverkehr anfordern. „Die Uckermärkische Verkehrsgesellschaft hätte in 30 Minuten einen Bus schicken können“, sagte Schwarze. Zudem seien Minderjährige unter den Wartenden gewesen. „In diesem Fall hätte man zumindest die Bundespolizei informieren müssen.“