Berlin - Gäbe es einen Preis für öde Orte, der Vorplatz des Bahnhofs Gesundbrunnen hätte ihn verdient. Eine große leere Asphaltfläche erwartet die Fahrgäste. Seit einem halben Jahr ist sie von Bauzäunen eingerahmt, doch Bauarbeiter waren dahinter fast nie zu sehen. Das seit Jahren versprochene Bahnhofsgebäude, das dort entstehen soll, lässt auf sich warten. Immerhin: Nun soll es auf dem kahlen Platz, der nach der Hertha-Legende Hanne Sobek benannt worden ist, zumindest etwas Action geben. „Am Montag beginnen bauvorbereitende Maßnahmen“, teilte ein Bahnsprecher mit. Doch der Zeitplan ist längst aus den Fugen geraten, heißt es intern.

Es ist ja nicht so, dass der Bahnhof Berlin-Gesundbrunnen unbedeutend wäre. Abgesehen davon, dass sich hier gut genutzte S-Bahn-Linien und die U-Bahn-Linie 8 treffen: Seit sieben Jahren ist die Station auch regulärer Halt für viele Fern- und Regionalzüge. Vom Weddinger Süden, nur eine S-Bahnstation von Prenzlauer Berg entfernt, kann man ohne Umsteigen nach Prag, Zürich, München, Rügen, Usedom und zu zahlreichen anderen Zielen reisen.

Doch der Vorplatz ist trostlos. Eigentlich sollte sich das längst ändern. Angekündigt war zunächst, dass 2012 der Bau eines Empfangsgebäudes beginnt. Dann wurde der Termin auf dieses Frühjahr verschoben. Geplant ist ein eingeschossiges Gebäude mit einer Glasfassade und der künftig größten Photovoltaik-Anlage innerhalb des S-Bahn-Rings. Auf rund 6000 Quadratmeter Fläche sollen ein Fahrkartenverkauf, Läden und Gastronomie einziehen. Vor allem aber werden die Reisenden vor Wind und Wetter geschützt warten können. Heute müssen sie auf den Bahnsteigen ausharren.

So weit die Pläne. Aber warum werden sie nicht verwirklicht? „Dass bis heute so gut wie nichts auf der Baustelle passiert ist, liegt nicht an uns“, teilte die Bahn mit. Eigentlich sollte die Baufirma bis März die Ausführungsplanung vorlegen. Doch bis heute seien die Unterlagen nicht vollständig, nur ein Teil konnte geprüft werden, hieß es. Damit gebe es auch noch keine Montageplanung – mit der Folge, dass am Gesundbrunnen bis auf weiteres keine Aktivitäten zu erwarten sind.

Mit einer Ausnahme: Wie der Sprecher mitteilte, wird jetzt schon mal eine andere Firma tätig. Ab Montag soll der Platz aufgemeißelt werden, damit mit der Gründung begonnen werden kann. „Es tut sich was“ – und es wird weithin zu hören sein. Wann der Fernbahnhof im Berliner Norden fertig wird, will jedoch niemand sagen. Nur so viel: In diesem Jahr wird es sicher nichts mehr.

Eine Terrasse für den Bahnhof Zoo

Ein anderes Bahnhofsprojekt geht dagegen voran – auch wenn noch nichts zu sehen ist. Die Sanierung und der Umbau des Bahnhofs Zoo wird intensiv vorbereitet, hieß es. Damit stehen die Chancen gut, dass der Knotenpunkt in der City West ab 2014 von seiner Patina befreit wird.

Im Herbst sollen die Pläne für die erste Phase komplett sein, dann können die Genehmigungsverfahren starten. Wie berichtet soll das Projekt mit dem Bau einer Passage beginnen, die zur Jebensstraße führt. Der helle Durchgang soll zeigen, in welche Richtung es geht: Das dunkle Ambiente, das noch aus den 1980er-Jahren stammt, soll weg, viel Licht soll ins Bahnhofsinnere fallen.

Weiterhin ist geplant, aus dem ehemaligen Restaurant „Terrassen am Zoo“ wieder zum Teil einen Freisitz zu machen – eine große Terrasse, in der man mit Blick auf den Platz und das Waldorf Astoria unter freiem Himmel Kaffee trinken kann.

Zu einem anderen Bauprojekt wird es dagegen nicht kommen – falls sich die Bahn durchsetzt. Es geht um die Verlängerung des Hauptbahnhofsdachs, das Politiker und der Architekt Meinhard von Gerkan fordern. Damit die Station zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 fertig wurde, ließ der damalige Bahnchef Hartmut Mehdorn die Bahnsteige nur auf 321 Meter Länge überdachen – und nicht wie zuletzt geplant auf 430 Meter. Elf Dachsegmente lagern noch im Viadukt an der Koppenstraße am Ostbahnhof.

Auch das Verkehrsministerium sieht die Forderung kritisch, wie der Parlamentarische Staatssekretär Enak Ferlemann (CDU) dem Verkehrsausschuss jetzt mitteilte. Die für 2015 geplante dreimonatige Teilsperrung des Bahnhofs reiche für die Dachverlängerung nicht. Dafür wäre eine längere Vollsperrung mit deutlich größeren Einschränkungen des Verkehrs nötig. Bei der Bahn ist von 100 Millionen Euro Kosten und bis zu anderthalb Jahren Bauzeit die Rede. Die Bebauung und der künftige Tunnel für die S-Bahn-Linie 21 schränken die Stellflächen für Kräne ein. „Eine Dachverlängerung wäre möglich“, hieß es. „Doch sie würde kompliziert und teuer.“