Berlin - Ein Jahr erprobte die Bundespolizei am Bahnhof Südkreuz die automatische Gesichtserkennung durch Kameras. Jetzt übt der Chaos Computer Club herbe Kritik an dem vom Bundesinnenministerium initiierten Projekt. Der Abschlussbericht der Bundespolizei sei geschönt.

Für einen Einkaufsgutschein von 25 Euro nahmen mehrere Hundert freiwillige Probanden an dem Feldversuch teil. Sie sollten, nachdem sie sich fotografieren ließen, über mehrere Monate durch bestimmte Bereiche am Südkreuz laufen. Dort nahmen Kameras und drei unterschiedliche Erkennungssysteme die Gesichter ins Visier. Der Computer sollte die Testpersonen dann anhand der Fotodatenbank herausfiltern.

Ergebnisse seien verschönt worden

Gesichtserkennungssysteme können einen wertvollen Beitrag zur Gewährleistung von Sicherheit leisten, lautet das zufriedene Fazit des kürzlich vorgestellten Abschlussberichtes der Bundespolizei. Doch der Großversuch zur biometrischen Gesichtserkennung war von Anfang an umstritten, Datenschützer und Bürgerrechtler laufen Sturm. Sie befürchten, dass Unschuldige ins Visier geraten und echte Verbrecher dagegen durchrutschen.

Jetzt hat der Chaos Computer Club (CCC) den Abschlussbericht der Bundespolizei zerpflückt. Und lässt kein gutes Haar an ihm: Die Ergebnisse seien geschönt worden, erklärt der Hacker-Verein. Sie könnten nicht als Grund dafür herhalten, Biometrietechnik flächendeckend einzuführen. Risiken und rechtliche Probleme würden im Bericht gar nicht erst angesprochen.

Nur 68,5 Prozent der Probanden korrekt identifiziert

In ihrem Bericht lobt die Bundespolizei, dass durchschnittlich 80 Prozent der erfassten Personen vom System korrekt identifiziert worden seien. „Faktisch werden bei einer solchen Rate allerdings von zehn gesuchten Personen eben nur acht korrekt identifiziert“, so der CCC. Die durchschnittliche Erkennungsrate von achtzig Prozent habe in Wahrheit keines der getesteten Systeme erreicht. Tatsächlich sei das durchschnittliche Ergebnis für das beste der drei Testsysteme die peinliche Zahl von 68,5 Prozent.

Ergibt das Sinn?

Doch selbst wenn die Systeme nur vier unbescholtene Bürger pro Kamera und Stunde fälschlich als Verbrecher erkennen und die Beamten diese von Hand aussondern müssen, könne man sich leicht vorstellen, was passiert, wenn nach monatelangem händischen Aussieben doch mal ein einzelner Verbrecher durchs Bild huscht und erkannt wird. Diese Sicherheitswarnung würde in der Flut von Falscherkennungsmeldungen nur noch weggeklickt, befürchtet der CCC.

Die Stellungnahme der Computerexperten schließt mit der süffisanten Formulierung: „Der einzige Lichtblick im Bericht ist die Beschreibung, wie man sich am besten gegen die biometrische Rasterfahndung schützen kann: Man drehe einfach das eigene Gesicht um mehr als 15 Grad von der Kamera weg. Damit ist eigentlich alles gesagt, was die Sinnhaftigkeit und Einsatztauglichkeit solcher Systeme angeht.“