Der Müll ist weg, das Unkraut auch. „Jetzt sieht das Beet auf dem Bahnhofsvorplatz wieder besser aus“, sagt Friedemann Keßler. Dann geht er in die Empfangshalle des Bahnhofs Wannsee. „Bislang war es hier neonhell und nüchtern, kalt und abweisend. Auch das haben wir geändert“, sagt der Mann von der Deutschen Bahn (DB) und schaut sich die neue, warme LED-Beleuchtung an. Keßler ist Chef aller Personenbahnhöfe im Nordosten Deutschlands, inklusive der Bahnstationen in Berlin. Mit seiner kleinteiligen Präsentation in Wannsee möchte er eines mitteilen: Die Bahn kümmert sich wieder um Details.

Ein Schmuckstück im Stil des Expressionismus

Es gab Zeiten bei der Bahn, da waren strategische Ziele wichtiger als jene Einzelheiten, die für sich genommen wenig spektakulär sind, in ihrer Gesamtheit aber das Zugfahren angenehm machen. „In Zeiten des Börsengangs hat niemand mehr diesen Blick gehabt“, sagt Keßler, der in Berlin bei DB Station & Service Regionalbereichsleiter Ost ist.
Darunter litt auch der Bahnhof Wannsee, ein Schmuckstück im Stil des Expressionismus. Mit seiner rund 11,90 Meter hohen achteckigen Halle wirkt das 1928 eröffnete Gebäude repräsentativ. Der Architekt Richard Brademann gestaltete es mit Elementen, die auffallen – neckischen Details wie dem Bronzerelief über der linken Eingangstür, das einen Jungen auf einer Schnecke zeigt, und bildbestimmenden Teilen wie fünfeckigen Fensteröffnungen. Doch von vielen Fensterrahmen ist der weiße Lack abgeplatzt, einige Gebäudeteile wirken abgeschabt.

Schlechte Noten für Schöneweide

Dabei wird der Bahnhof täglich im Schnitt von 38.000 Menschen genutzt. In Wannsee steigen Ausflügler auf Dampfer oder Busse zur Pfaueninsel und zum Liebermann-Haus um, Pendler fahren zur Arbeit. S-Bahnen und Regionalzüge dominieren, Fernzüge gibt es maximal vier pro Tag. Von den elf Fahrkartenschaltern ist nur noch einer offen.
Inzwischen hat die DB rund eine halbe Million Euro investiert, unter anderem in einen frischen Außenputz und einen neuen Anstrich für die Empfangshalle in mintgrün, der Originalfarbe. In der Halle wurden LED-Strahler montiert, die den Eindruck eines Lichtdoms erzeugen – normalerweise mit weißem Licht, um das Mintgrün zu unterstützen, aber auch Farbeffekte sind denkbar.

„Alles ist möglich“, sagt Designer Thomas Otto aus Werneuchen und taucht den hohen Raum in blau, pink, grün und dann in rot. Rund 45 000 Euro hat das Beleuchtungskonzept gekostet, so Keßler. „Bei Dunkelheit ist es ein Hammer“. Farben soll es aber nur ausnahmsweise geben. „Vielleicht Weihnachten.“ Im Herbst soll der Bahnhof Wannsee seit langer Zeit wieder eine Toilette bekommen, für deren Nutzung muss gezahlt werden. Zudem wird geprüft, ob die Halle und der Tunnel zu den Bahnsteigen mit einem Aufzug verbunden werden kann. In dem denkmalgeschützten Gebäude wird das nicht einfach.

Warum investiert die Bahn in Wannsee?

Für jede Station wird die Kundenzufriedenheit ermittelt – dabei zeigte sich „Nachholbedarf“, erklärt Keßler. Der DB-Mann weiß, dass viele Bahnhöfe eine Auffrischung benötigen. Auch Schöneweide erhält schlechte Noten. Die Umbau- und Sanierungsarbeiten, die das ändern sollen, könnten allerdings erst im Herbst 2018 beginnen. Der S-Bahnhof Neukölln schneidet ebenfalls schlecht ab: „weniger der Bahnhof, vor allem das Umfeld“. Miese Bewertungen bekam auch der S-Bahnhof Nöldnerplatz. „Hier haben wir die derzeitige Streckensperrung genutzt, Bau- und Malertrupps vorbeizuschicken.“

Von 152 Metern nur 94 überdacht

Und der S-Bahnhof Frankfurter Allee? Friedemann Keßler verdreht die Augen. Auch ihm geht die Sanierung, die vor rund zwei Jahren begann, nicht schnell genug voran. Die Denkmalschutzbehörde des Bezirks hat einen neuen Leiter, der viele Dinge genauer nimmt als seine Vorgängerin. Zusätzliche Gespräche wurden erforderlich, und es gab Streit, was mit alten Fliesen passiert. „Jetzt ist absehbar, dass wir zu einem Ende kommen“, sagt Keßler. Im Herbst sollen die Ladenmieter einziehen, die von vielen Anwohnern und Umsteigern genutzte Verkehrsstation soll 2018 fertig werden.

Der S-Bahnhof Hermannstraße, stark frequentierte Umsteigestation in Neukölln, wurde bereits aufpoliert. „Doch inzwischen ist sie wieder im Ursprungszustand“, so Keßler. Mit dem Bezirksamt werde nun darüber gesprochen, was zu tun ist. 

Währenddessen zeichnet sich die nächste Diskussion ab. Der S-Bahnhof Warschauer Straße ist noch im Bau, trotzdem soll ein Teil am Montag in Betrieb gehen. Ein provisorischer Gang, der als schmal empfunden wird, führt durch die Baustelle auf den ersten neuen Bahnsteig, der noch nicht fertig ist. Zudem werden die neuen Bahnsteige, die jeweils 152 Meter lang sind, nur auf 94 Meter Länge überdacht. „Jeder Bahnhof ist eine Herausforderung“, sagt Friedemann Keßler.