Berlin - Die Station sollte den alten Container an der Hertzallee/Ecke Jebensstraße ersetzen, wo Obdachlose bislang kostenlos die Toilette benutzen durften. Doch nun ist noch nicht mal das mehr möglich. Seit vergangenen Freitag ist der Container verschwunden, das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf hat ihn abtransportiert. Nach Angaben von Sozialstadtrat Carsten Engelmann (CDU) kann sich der Bezirk die jährlichen Kosten in Höhe von 11.000 Euro für Wasser, Strom und Wartung nicht mehr leisten.

Seit der Container weg ist, wird die Jebensstraße, an der sich auch das Museum für Fotografie befindet, zunehmend mit menschlichen Exkrementen verschmutzt, berichtet Puhl. Denn in der Bahnhofsmission können die mehreren hundert Besucher pro Tag nicht zur Toilette gehen. Das Abflusssystem sei einfach „grottenmäßig“, sagt Puhl. Und ein WC-Besuch im Bahnhof kostet einen Euro, viel Geld für einen Obdachlosen. Doch für Puhl geht es nicht nur um Sauberkeit. „Es geht vor allem um Menschenwürde. Männer können sich noch an die Ecke stellen und pinkeln. Aber was machen Frauen?“

Budget reicht bei weitem nicht

Bereits Ende vergangenen Jahres hatte das Bezirksamt angekündigt, den Container, der auch von Besuchern der Suchtberatung Fixpunkt genutzt wurde, nicht mehr zu finanzieren. Daraufhin verzichtete die Bahnhofsmission auf die 12.000 Euro, die sie bislang für Reinigung und Aufsicht der Toilette erhalten hatte. Stadtrat Engelmann sagt, der Container sei baufällig gewesen und hätte allein schon aus Sicherheitsgründen über kurz oder lang abgebaut werden müssen. Puhl habe aber angekündigt, für seine neue Hygienestation Sponsoren aufzutreiben. Doch das sei ihm nicht gelungen.

Aus eigenen Mitteln kann die Bahnhofsmission einen Container nicht finanzieren. Schon jetzt fehlen 30.000 Euro im Budget, das jährlich 240.000 Euro beträgt. Engelmann, seit drei Wochen im Amt, räumt ein, dass die gegenwärtige Situation „sozial nicht verträglich“ sei. „Ich hätte mir einen positiveren Einstand gewünscht.“ Die Schuld daran gibt er Puhl. „Die Finanznot des Bezirks war seit längerem bekannt. Da hätte sich was tun können.“