Alle Proteste haben nichts genutzt – bislang. Seit mehr als zwölf Jahren lässt die Deutsche Bahn (DB) am Bahnhof Zoologischer Garten keine Fernzüge mehr halten. Nun aber ist die Drehscheibe in der City West überraschend wieder auf einem Netzplan des überregionalen Zugverkehrs aufgetaucht. Im ersten Gutachterentwurf für den „Deutschland-Takt“ ist der Bahnhof als Fernverkehrshalt verzeichnet. Das Zukunftskonzept, das Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) vor zwei Wochen vorgestellt hat, enthält weitere interessante Pläne für Berlin und Brandenburg. Es geht um mehr Gleise und um neue Verbindungen.

In der westlichen Innenstadt gibt es keinen wichtigeren Knotenpunkt als den Bahnhof Zoo. S-Bahnen, Regionalzüge, zwei U-Bahn-Linien und anderthalb Dutzend Buslinien stoppen dort. Doch in der Nacht zum 28. Mai 2006 tilgte die Bahn ihn von der Karte der ICE-, Intercity- und Eurocity-Linien. Unter der Hand hieß es, dass die Fahrgäste zum Hauptbahnhof gelenkt werden sollten, um Ladenmietern Kunden zuzuführen. Das offizielle Argument lautete: Die Stadtbahn, die das Zentrum durchzieht, habe nicht genug Kapazität. Jeder Stopp hielte den Betrieb auf.

Modellfahrplan für 2030

„Wir haben das unvoreingenommen geprüft, aber ein Halt für ICE-Züge am Zoo ist nicht möglich“, bekräftigte der DB-Konzernbevollmächtigte Alexander Kaczmarek vor kurzem. Und so stoppen nur Fernzüge anderer Betreiber regelmäßig dort: der Nightjet nach Zürich und die Flixtrain-Züge nach Stuttgart. Stattdessen blickt die DB nach Osten. Sie erwägt, den Berlin-Warschau-Express am Ostkreuz halten zu lassen.

Doch die Ingenieure vom Büro SMA Zürich und die anderen Planer erachten Stopps am Zoo als möglich. Ihr Modellfahrplan für 2030 führt die Station als Punkt auf der Karte auf – als Zwischenhalt auf den fünf Fernverkehrslinien, die am Ostbahnhof beginnend auf der Stadtbahn verlaufen werden. Offen blieb, ob alle Züge oder nur einige am Zoo stoppen. Auf jeden Fall wäre es ein Fortschritt.

Halbstündlich ins Rheinland

Zu den fünf Routen zählt die Intercity-Linie Berlin–Hannover–Amsterdam. Aber auch neue Strecken ab Berlin werden skizziert, ebenfalls für einen Zweistundentakt: nach Schwerin und Lübeck, nach Marburg, Frankfurt/Main und Karlsruhe sowie nach Wiesbaden. Eine weitere neue Fernzuglinie würde Frankfurt (Oder) mit Magdeburg verbinden.

„Unser Zukunftsbündnis Schiene nimmt volle Fahrt auf“, sagte Minister Scheuer. „Gemeinsam wollen wir bis 2030 die Zahl der Fahrgäste verdoppeln und mehr Menschen auf die Schienen holen.“ So soll die Fahrzeit Berlin–Düsseldorf um 40 Minuten sinken, die Strecke nach Nordrhein-Westfalen für einen Halbstundentakt ausgebaut werden. Allerdings weisen Experten darauf hin, dass nicht nur dort weitere Gleise gebaut werden müssten. Nötig wären Planungs- und Genehmigungsverfahren sowie Geld – viel Geld.

Der „Deutschland-Takt 2030“ liegt in der Zuständigkeit des Bundes, so die DB. Der Berliner Konzernbevollmächtigte Alexander Kaczmarek teilt aber die Einschätzung, dass das Konzept „interessante Ansätze“ enthalte – abgesehen von der Zoo-Thematik. Es sei gut, dass der Bund intensiv darüber nachdenke, wie das Berliner Schienennetz den Bedürfnissen einer wachsenden Stadt angepasst werden könnte, sagte er.

Zehlendorf–Ostkreuz in 13 MInuten

So sehe das Konzept vor, die Anhalter Bahn zwischen Berlin-Südkreuz und Ludwigsfelde viergleisig auszubauen – zur Engpassbeseitigung. Zwischen Berlin-Spandau und Neustadt (Dosse) sollen künftig drei oder vier Gleise liegen, derzeit seien es dort ebenfalls nur zwei. Außerdem gehe der Modellfahrplan für 2030 davon aus, dass die Nordbahn zwischen Berlin-Gesundbrunnen und Hohen Neuendorf neu entsteht. Auf der Trasse, die durch Wittenau und Frohnau verläuft, war 1952 letztmalig ein Fernzug gefahren. Ein Wiederaufbau würde die Fahrzeit in Richtung Ostsee verkürzen, hieß es

Auch der südliche Innenring, dessen Ausbau von der DB wegen hoher Lärmschutzkosten abgesagt wurde, taucht im Deutschland-Takt auf – als Trasse zweier neuer Regionalbahnlinien. Eine Linie würde in Bad Belzig beginnen, die andere durch Potsdam verlaufen. Über Zehlendorf, Süd- und Ostkreuz ginge es weiter nach Lichtenberg. Kurze Fahrzeiten wären möglich – zum Beispiel 13 Minuten von Zehlendorf zum Ostkreuz. Dafür müsste aber nicht nur ein Teil des Rings, sondern auch die 1945 unterbrochene Stammbahn, die durch Zehlendorf in Richtung Innenstadt führt, wieder aufgebaut werden.

Der Zielfahrplan sieht auch Fernzüge vor, die alle zwei Stunden in 84 Minuten in Berlin nach Szczecin (Stettin) fahren. Unter dem Flughafen BER würden Fernzüge nach Cottbus, Dresden und Stralsund halten. Noch sind viele Fragen zu klären. Doch die Debatte über die Zukunft des Bahnverkehrs hat begonnen.