Der Senat lässt nicht locker. Er hält an seiner Forderung fest: Am Bahnhof Zoologischer Garten müssen wieder wie früher alle Fernverkehrszüge halten. Bei einem der nächsten Spitzengespräche mit Bahn-Chef Rüdiger Grube wolle man sich erneut dafür einsetzen, dass der Bahnvorstand seine ablehnende Haltung überprüft. Das teilte Verkehrs-Staatssekretär Christian Gaebler (SPD) mit. Seine jetzt veröffentlichte Antwort auf eine Anfrage der SPD-Abgeordneten Ole Kreins und Frank Jahnke zeigt, dass der Senat den schon seit Jahren schwelenden Konflikt um den Bahnhof Zoo noch lange nicht für beigelegt hält.

Ganz im Gegenteil: Der Streit werde jetzt wieder aktuell, so Gaebler. Denn die neuen städtebaulichen Entwicklungen im Umkreis des Bahnhofs hätten dessen Bedeutung weiter erhöht. Der Senatspolitiker erinnerte an die vielen Hotels, die in der City West entstanden sind. Außerdem gebe es dort immer mehr Tagungen. Wenn jeder Intercity Express, jeder Intercity und jeder andere Fernzug am Zoo stoppen würde, könnten weitere Reisende dazu bewegt werden, die Bahn als klimafreundliche Alternative zu nutzen, teilte der Staatssekretär mit.

Vereinbarungen gebrochen

Seitdem vor mehr als sieben Jahren der Hauptbahnhof eröffnet wurde, lässt die Bahn am Zoo fast nur noch Regional- und S-Bahn-Züge halten. Gaebler bekräftigte, dass dies gegen wichtige Festlegungen zum Berliner Bahnverkehr verstoße. So hebe der 1995 erlassene Planfeststellungsbeschluss über die Verkehrsanlagen im Zentralen Bereich hervor, dass alle Intercity- und ICE-Züge am Zoo halten. Als Fernbahnhof sei der Zoo auch im „Pilzkonzept“ von 1992 verankert. So heißt der Betriebsplan, in dessen Kartendarstellungen die Hauptstrecken einem Pilz ähneln.

Gaebler: „Die Bahn hat die gemeinsame Haltekonzeption in allen Abstimmungsrunden sowie in Publikationen bekräftigt“ – bis der damalige Bahnchef Hartmut Mehdorn 2005 überraschend vom gemeinsamen Beschluss abgewichen sei. Das sei eine einsame strategische Entscheidung des Vorstands gewesen, keine Entscheidung der Fachleute bei der Bahn. Das Unternehmen habe betont, dass es ihm wichtig sei, den neuen Hauptbahnhof zu einem Besuchermagneten zu entwickeln.

Inzwischen führt die Bahn andere Argumente ins Feld. So sei die Stadtbahn ausgelastet, jeder weitere Stopp halte nachfolgende Züge auf und schränke die Leistungsfähigkeit der Strecke ein. Doch Gaebler verwies darauf, dass im Pilzkonzept mehr Fernzuglinien vorgesehen waren als es derzeit gibt. Es gebe Reserven. „Der Verzicht auf den Halt der Fernzüge im Bahnhof Zoo ist daher nicht mit Trassenkapazitäten begründbar“, folgerte der Politiker.

Der Streit geht also weiter. Für den 3. September, 18.30 Uhr, lädt die SPD zu einer öffentlichen Diskussion in die Filmbühne am Steinplatz ein. Das Thema lautet: Bahnhof Zoo – wieder Fernbahnhof!