Berlin - Bis Ende Oktober vorigen Jahres hätte sich eigentlich am Bahnhof Zoo ein 175 Meter hohes Aussichtsrad drehen sollen – doch daraus wurde nichts. Stattdessen wachsen nur wilde Büsche auf der Fläche zwischen der Stadtbahntrasse und der Hertzallee. Jetzt bereitet sich der Senat darauf vor, dass das Riesenrad nicht mehr realisiert wird.

Sollte der Bebauungsplan für das Aussichtsrad wegen „unterlassener Investition“ aufgehoben werden, will die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung das Gebiet nach einem mit der Technischen Universität (TU) durchgeführten Ideenwettbewerb gestalten. Das geht aus der Antwort der Senatsverwaltung für Finanzen auf eine Anfrage der Grünen hervor. Möglich wäre danach eine wissenschaftsnahe Entwicklung des Areals mit dem Bau eines Tagungshotels, mit Wohnungen für Studenten und mit Ansiedlungsmöglichkeiten für wissenschaftsnahe Firmen und wissenschaftliche Institutionen, heißt es darin. Die Technische Universität hatte bereits vor Jahren Interesse an der Nutzung des Gebietes angemeldet, als sich abzeichnete, dass die Realisierung des Riesenradprojekts schwierig wird.

Verdacht der Untreue

Mehrere tausend Anleger hatten gut 200 Millionen Euro in den Fonds Global View eingezahlt, der Aussichtsräder in Berlin sowie in Peking und Orlando (Florida) errichten wollte. Kein einziges Projekt wurde realisiert. Viele Anleger gaben sich mit Abfindungen in Höhe von 60 Prozent ihrer Einlage zufrieden, andere reichten Klage ein. Die Berliner Staatsanwaltschaft ermittelt mittlerweile wegen des Verdachts der Untreue gegen Verantwortliche des Projekts.

Schadensersatz ist möglich

Das Land Berlin kann das Grundstück, das einst für rund 25 Millionen Euro verkauft worden war, nach Angaben der Finanzverwaltung wieder zurückerwerben. Das Land muss aber zunächst noch eine Nachfrist abwarten, die Ende Juli dieses Jahres endet. Danach kann der Senat innerhalb von zwei weiteren Monaten vom Grundstückskaufvertrag zurücktreten.

Bei der Rückabwicklung des Vertrages müsste das Land Berlin den damaligen Kaufpreis erstatten. Dieser lag weit über dem Verkehrswert. Das Land Berlin könnte im Gegenzug aber Schadensersatz und den Ersatz vergeblicher Aufwendungen für das gescheiterte Projekt verlangen, heißt es. Wie hoch die Forderungen des Landes sein können, wird von Senatsseite nicht beziffert. Eine Entscheidung, ob der Senat das Areal zurückkauft, ist noch nicht gefallen.

Die für das Riesenrad verantwortliche Great Berlin Wheel GmbH & Co. KG wollte am Freitag keine Stellungnahme zum aktuellen Stand der Dinge abgeben. Zuletzt hatte das Unternehmen wiederholt bekräftigt, mit Interessenten für das Aussichtsrad-Projekt zu verhandeln.