Berlin - Fahrgäste der S-Bahn müssen an diesem Wochenende sehr tapfer sein. Denn mit dem Nordsüd-Tunnel in der Innenstadt wird eine der wichtigsten Strecken von Freitagabend an wegen Bauarbeiten gesperrt – 54 Stunden lang, bis Montagfrüh. So lange fahren zwischen Gesundbrunnen und Anhalter Bahnhof keine S-Bahnen. Betroffen sind die Linien S 1, S 2 und S 25. Einen Ersatzverkehr für die ganze Strecke gibt es nicht, weil die Busse im Stau steckenbleiben würden. „Die Fahrgäste müssen leider mit Reisezeitverlängerungen von zum Teil mehr als 20 Minuten rechnen. Das ist mehr, als wir in ähnlichen Situationen sonst für akzeptabel halten“, kritisierte Stefan Kohte vom Verkehrsclub Deutschland (VCD).

Die Bahn rät, den gesperrten Tunnel auf anderen Nordsüd-Strecken zu umfahren – etwa mit der U 6. Kohte hatte die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) aufgefordert, die Züge dort länger als sonst am Wochenende im Fünf-Minuten-Takt fahren zu lassen, um die Wartezeiten zu verringern. „Das wurde jedoch abgelehnt“, sagte er. Es fehle an Fahrern und an Wagen, hieß es.

Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende: Von diesem Motto hat sich die Bahn leiten lassen, als sie den Baumarathon im Tunnel organisierte. „Wir konzentrieren die Arbeiten auf ein Wochenende, weil das den Fahrgästen zwölf abendliche Einzelsperrungen erspart“, hieß es dort. Auch um Kosten zu sparen, werden verschlissene Gleise in einem Rutsch ausgewechselt. Fräsen befreien andere Schienen von Riffeln auf der Oberseite, was den Zugbetrieb leiser macht.

Die Bauarbeiten seien jetzt nötig, weil die DB den 4,5 Kilometer langen Tunnel fit machen will – unter anderem deshalb, weil er als Umfahrung für eine künftige Großbaustelle dringend benötigt wird. Wenn der Weiterbau der U-Bahn-Linie U 5 Unter den Linden in die Vollen geht, stellt die BVG die U 6 zwischen Friedrichstraße und Französische Straße ein – voraussichtlich vom nächsten Juni bis November 2013.

Fahrgelderträge auf Rekordhoch

Am gestrigen Donnerstagmorgen brachte ein technischer Defekt den S-Bahn-Betrieb rund ums Ostkreuz durcheinander. Der Ausfall eines Transformators führte dazu, dass die Stromversorgung der Stellwerkstechnik immer wieder ausfiel. „Diesmal war es kein Anschlag“, hieß es bei der Bundespolizei. Störungen wie diese können Stammfahrgäste nicht mehr überraschen. So ist es wenig verwunderlich, dass der Anstieg der Reisendenzahlen in Berlin und Brandenburg anhält.

Im vergangenen Jahr wurden die Nahverkehrsmittel für 1,266 Milliarden Fahrten genutzt, geht aus dem neuen Bericht des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg (VBB) hervor. Auch die Fahrgeldeinnahmen sind auf ein Rekordhoch gestiegen. Mit 1,059 Milliarden Euro haben die Unternehmen fast die Hälfte mehr Geld von ihren Fahrgästen kassiert als zehn Jahre zuvor.