Berlin - Fahrgäste zwischen Berlin und Hamburg müssen mehr Zeit einplanen. Die Hamburger Bahn wird zur Großbaustelle – mit der Folge, dass drei Monate lang Züge ausfallen oder umgeleitet werden. Das betrifft nicht nur den Fernverkehr, sondern auch Regionalzüge: Sie werden zum Teil durch Busse ersetzt. Nun steht der Beginn des rund 100 Millionen Euro teuren Erneuerungsprojekts bevor: Von Sonnabend, 11. September, bis zum 11. Dezember sind Fahrgäste länger unterwegs – zum Teil rund 50 Minuten.

Seit dem 15. Dezember 1846, also bald seit 175 Jahren, sind die beiden größten Städte Deutschlands auf dem direkten Schienenweg miteinander verbunden. Mit schnellen Zügen wie dem „Fliegenden Hamburger“ und dem Schienenzeppelin, den ein Propeller antrieb, wurde auf der knapp 290 Kilometer langen, größtenteils schnurgeraden Trasse Verkehrsgeschichte geschrieben. Am 5. Dezember 1961 gelang dem Lokführer Harry Deterling mit einem Personenzug die Flucht aus der DDR nach West-Berlin. Erst 1995, mehr als fünf Jahre nach dem Mauerfall, ging der Abschnitt zwischen Albrechtshof und Spandau wieder in Betrieb.

Positiver Nebeneffekt: Mit dem ICE direkt in die Altmark und nach Uelzen

Von 1993 bis 1997 wurde die Bahn für Tempo 160 ausgebaut. Nachdem sich die Pläne, zwischen Berlin und Hamburg eine Strecke für die Magnetschnellbahn Transrapid zu bauen, zerschlagen hatten, folgte eine „Ertüchtigung“ – für 230 Kilometer in der Stunde. Die Zahl der Fahrgäste pro Tag stieg von rund 6000 auf 17.000. Nun ist eine Generalüberholung erforderlich. So werden zwischen Berlin und Büchen in Schleswig-Holstein rund 200 Kilometer Schienen und 24 Weichen verlegt, rund 15.000 Schwellen und 30.000 Tonnen Schotter ausgetauscht, eine Brücke und elf Durchlässe erneuert.

Das hat Folgen. Der ICE-Verkehr wird auf einen Stundentakt ausgedünnt und umgeleitet. Die Züge halten zusätzlich in Stendal und Salzwedel, alle zwei Stunden auch in Uelzen, während die Stopps in Wittenberge, Ludwigslust sowie Büchen entfallen. Die Fahrzeit vom Berliner zum Hamburger Hauptbahnhof, die im ICE derzeit 103 bis 128 Minuten beträgt, verlängert sich – auf rund zweieinhalb Stunden. Die Flixtrains brauchen noch einmal zirka 20 Minuten länger. Die Intercity- und Eurocity-Züge entfallen.

Vom 22. November an soll sich die Lage zumindest etwas entspannen. Dann werden auf der direkten Trasse wieder täglich zwei ICE-Fahrten am Morgen und Nachmittag möglich sein – mit Halten in Wittenberge und Ludwigslust, zum Teil auch in Büchen.

Im Regionalverkehr wird der RE2 zwischen Neustadt (Dosse), Wittenberge und Rastow bei Schwerin bis zum 19. November auf wechselnden Abschnitten durch Busse ersetzt. Bis 11. Dezember entfallen spätabends die Züge zwischen Nauen und Wittenberge. Die Regionalbahnlinien RB10 und RB14 nach Nauen sind nicht betroffen.