Bahnstreik der GDL: So fährt die S-Bahn ab Mittwoch durch Berlin

Die Botschaft ist klar: Wir fahren – obwohl die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) erneut zum Streik aufgerufen hat. „Auch diesmal wird es einen Ersatzfahrplan geben“, sagte Ingo Priegnitz, Sprecher der S-Bahn Berlin GmbH. Weil nicht jeder mitstreikt, können voraussichtlich wieder rund 35 Prozent der S-Bahnen rollen. Wie bei den vorangegangenen Streiks wird sich der Notbetrieb ab Mittwochmorgen auf die Außenbezirke und das Umland konzentrieren.

Die Stadtbahn, die sich von Ost nach West durch die Innenstadt zieht, bleibt ebenfalls in Betrieb. Doch der Ring liegt größtenteils brach. Viele Fahrgäste müssen auf die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) umsteigen, die nicht bestreikt werden.

GDL-Streik ab Mittwoch um 2 Uhr

Im Personenverkehr wird der Streik am Mittwoch um 2 Uhr beginnen. Wann die Arbeitsniederlegung endet, wollte die GDL noch nicht mitteilen. Nur so viel: Das Ende stehe fest und werde 48 Stunden vorher bekanntgeben. GDL-Chef Claus Weselsky sagte, dass dieser Ausstand „etwas länger“ dauert als der vorangegangene – und damit Pfingsten einschließt. Zuvor hatte die Gewerkschaft den Personenverkehr Anfang Mai rund sechs Tage lang lahmgelegt.

„Es reicht“, sagte Jens Wieseke, Vizevorsitzender des Fahrgastverbands IGEB. Streikrecht und Koalitionsfreiheit seien wichtig. Doch schon den achten Streik in dieser Auseinandersetzung hatte die IGEB als überlang und unverhältnismäßig kritisiert. Nun stehe ein noch längerer Ausstand ins Haus.

Millionenverluste für die S-Bahn

„Vor allem die Fernbusbranche jubelt über so viel Förderung“, sagte der IGEB-Vorsitzende Christfried Tschepe. „Mit jedem Streik gehen dem umweltfreundlichen Schienenverkehr Fahrgäste verloren, von denen ein Teil nicht mehr zur Bahn zurückkehrt.“ An dem Konflikt sei aber nicht nur die Gewerkschaft beteiligt. „Auch die Deutsche Bahn und deren Eigentümer, der Bund, haben die Zeit nicht genutzt“, bemängelte Wieseke.

Das Verkehrsministerium hätte längst daran gehen können, ein bei Streiks gesetzlich garantiertes Mindestangebot bei Bahnen und Bussen sicherzustellen. Wieseke: „Es müsste ein Drittel des regulären Angebots umfassen“ – wie in Italien. Minister Alexander Dobrindt (CSU) müsse zurücktreten.

Der Streik schadet auch der Bilanz der S-Bahn Berlin GmbH. Für Fahrten, die ausfallen, überweisen die Länder kein Geld. Im Gegenteil: Strafzahlungen werden fällig. Zwar spart das Unternehmen Stromkosten. „Doch unterm Strich verlieren wir täglich fast eine Million Euro“, sagte ein S-Bahner.