Bahnverbindungen: Mehr Züge zu den Nachbarn nach Polen

Potsdam - Auf der Karte sieht alles so einfach aus. Da ist die Hauptstadt Berlin mit fast 3,5 Millionen Einwohnern. Da ist Wrocław (Breslau) in Polen, im kommenden Jahr Europäische Kulturhauptstadt, aufstrebend, schön, mit vielen Baudenkmälern. Dazwischen: Cottbus, die größte Stadt in der Brandenburger Lausitz. Und da sollte es nicht möglich sein, diese Städte wieder mit der Bahn zu verknüpfen? „Ja, wir wollen das, wir arbeiten daran, und wir hoffen, dass uns das gelingt“, sagte die Brandenburger Infrastrukturministerin Kathrin Schneider.

„Die Kolleginnen und Kollegen sind dabei, die Bedingungen auszuloten, 2016 einen Regionalverkehrszug auf die Schiene zu bringen, der Berlin und Brandenburg einmal am Tag mit Breslau verbindet“, berichtete die SPD-Politikerin der Berliner Zeitung. Regionalverkehrszug bedeutet: mit Zuschüssen. Studien zeigen, dass die Fahrt Berlin–Breslau via Forst viereinhalb Stunden dauern würde, sagte Arvid Kämmerer von der Bahn (DB). „Das wäre attraktiv“, hoffte er. Wenn es dann noch gute Tarifangebote gäbe...

Das Prinzip Hoffnung – ohne kommt kein Politiker und kein Planer aus, wenn es um die Bahnverbindungen nach Polen geht. Denn wer sich hier engagiert, muss mit Rückschlägen rechnen. Die Route Berlin–Breslau ist ein gutes Beispiel. Hier gab es 161 Jahre lang durchgehenden Fernzugverkehr – bis 2014 der klägliche Rest auf Wunsch der polnischen Bahn eingestellt wurde.

Der Eurocity „Wawel“, benannt nach der Krakauer Königsresidenz, war ein Geisterzug geworden, in dem sich oft nur 20 Reisende verloren. In Polen trödelte er zum Teil mit Tempo 40 dahin. Der Intercity-Bus, mit dem ihm die DB Konkurrenz machte, war schneller als er. Auch waren die Tickets für den Fernbus billiger, weil für ihn keine Entgelte für die Trassennutzung anfielen.

Ohne Umsteigen nach Landsberg

Rückschläge gibt es auch beim Nahverkehr. Mal gibt es durchgehende Regionalzüge zwischen Frankfurt (Oder) und Poznan (Posen), dann wieder nicht – es ist ein Hin und Her. Auf regionaler Ebene sei der Wille da, die Verbindungen zu verbessern, so Elke Krokowski vom Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB). Aber: „Die Finanzierung des Eisenbahnverkehrs in Polen stellt sich seit Jahren als äußerst schwierig dar.“

Es fehle Planungssicherheit, und oft sei unklar, wie die Verantwortung zwischen den Regionen und der Warschauer Zentralregierung abgegrenzt ist. Krokowski: „Das führt dazu, dass keine langfristigen Verkehrsangebote initiiert werden können.“ Trotzdem bemüht sich auch der VBB um neue Angebote. So könnte es von Dezember an eine durchgehende Verbindung von Berlin nach Gorzów (Landsberg) geben – abends hin, morgens zurück.

Als Vorstandsbeauftragter von DB Netz für die Verbindungen nach Polen widmet Arvid Kämmerer ein Drittel seiner Arbeitszeit diesem Thema. Jeder Regierungswechsel in Polen beschere ihm neue Ansprechpartner. Für jeden grenzüberschreitenden Ausbau werde ein Abkommen auf Ministeriumsebene benötigt, das dauert. Und nicht immer seien sich beide Seiten einig, in welche Trassen investiert werden sollte.

Fahrgastzahl verdreifacht

„Doch mit den Jahren ist die Zusammenarbeit immer besser geworden“, so Kämmerer. So sei klar, dass die Strecke Berlin–Szczecin (Stettin) elektrifiziert und auf Tempo 160 beschleunigt wird. 2020/21 soll alles fertig sein. Künftig könnte die Großstadt an der Oder von Berlin aus in 80 Minuten erreichbar sein. Obwohl die Reise heute bis zu zwei Stunden dauert und zum Teil noch mit Tempo 50 stattfindet, steigt die Fahrgastzahl schon jetzt: Seit 2009 hat sie sich verdreifacht, so der VBB. Kämmerer: „Hier wird sich die Bahn gegen den Bus behaupten.“ Möglich, dass es einen Stundentakt gibt.

„Östlich der Oder haben wir eine wachsende Volkswirtschaft mit rund 40 Millionen Menschen,“ sagte Ministerin Schneider. „Wir müssen dafür sorgen, dass wir ordentliche Schienenverbindungen dorthin bekommen – und dieses dicke Brett weiter bohren. Ich werde die Hoffnung nicht verlieren.“ Da ist es wieder, das Prinzip Hoffnung.