Berlin - Manche Dinge dauern in Berlin länger als geplant. Viel länger. Aktuelles Beispiel ist der Neubau der Dresdner Bahn, der kürzesten Schienenverbindung zwischen der Innenstadt und dem künftigen Schönefelder Flughafen. Das Genehmigungsverfahren hat vor fast 15 Jahren begonnen – und nun zeichnet sich ab, dass es sich weiter hinzieht, was den Lückenschluss zwischen Südkreuz und Mahlow weiter verzögern würde.

Bei der Bahn hält man es für realistisch, dass die Neubaustrecke erst 2022 eröffnet wird. Dabei sind sich alle Verantwortlichen darin einig, dass sie dringend gebraucht wird. Wenn der BER fertig werden sollte, könnte der Airport Express dort in nur 20 Minuten zum Hauptbahnhof gelangen.

Mehrmals schon musste langwierig umgeplant werden, weil rechtliche Anforderungen plötzlich verschärft wurden. Jüngst war es wieder mal so weit, sagte Peter Schulze von der Deutschen Bahn am Mittwoch. „Das Urteil zum Bau der U-Bahn-Linie 5, das 2012 vom Bundesverwaltungsgerichts gefällt wurde, hat auch für uns Konsequenzen.“ Anwohner müssten besser vor Baulärm geschützt werden. So sei Rammen meist nicht mehr erlaubt.

Nun müssten neue Unterlagen erstellt und beim Eisenbahn-Bundesamt nachgereicht werden. Wann die Behörde die letzten Prüfungen abschließt und den Bau genehmigt, sei nicht absehbar. Und dann drohten noch Klagen von Anliegern, die gegen den befürchteten Lärm einen Tunnel fordern, der mehr als 100 Millionen Euro kosten würde.

Geisterzüge unter dem Terminal

Immerhin: Der Senat will nicht vor Gericht ziehen. Doch er ist ebenfalls für Verzögerungen verantwortlich. So schlug er sich 1998 auf die Seite der Lichtenrader Anlieger (zu denen damals Klaus Wowereit gehörte) und unterbrach das gerade begonnene Planfeststellungsverfahren für zwei Jahre. Bis heute äußert er immer wieder Änderungswünsche für das Projekt, das bereits auf über 500 Millionen Euro kalkuliert wird.

Dass die Schnellstrecke zum BER bei regulärem Ablauf erst in neun Jahren fertig wird, will Schulze nicht hinnehmen. Er setzt sich dafür ein, es zu beschleunigen. „Wenn der Flughafen fertig ist und die Berliner merken, welchen Umweg sie dorthin fahren müssen, wird sich Druck zugunsten der Dresdner Bahn aufbauen“, hofft der Bauingenieur.

Beim drei Kilometer langen Tunnel unter dem BER habe die DB gezeigt, dass sie zügig bauen kann. Er sei inklusive Bahnhof in 15 Monaten fertig geworden: „Wie versprochen am 30. Oktober 2011.“ Selbst die Bahnhofsuhren und Fahrkartenautomaten funktionieren. „Auch alles, was mit dem Brandschutz zu tun hat, ist vollständig in Betrieb.“ Trotzdem ist der Tunnel für die Fahrgastbeförderung tabu. Denn der Bahnhof liegt in 15 Meter Tiefe unter dem Flughafenterminal, dessen Brandschutzanlage noch nicht funktioniert. „Geisterzüge“ halten aber schon im BER-Bahnhof: Bis zu ein Dutzend Mal pro Tag fahren S-Bahnen durch den Tunnel, damit er keinen Schimmel ansetzt.