Mehr Sitzplätze, mehr Komfort: Neue Regionalbahnzüge sollen in Berlin und Brandenburg das Angebot für die Fahrgäste verbessern. Doch die Lieferungen verspäten sich, und es wird noch viel Zeit vergehen, bis sie eintreffen. „Zum Fahrplanwechsel Mitte Dezember wird das nichts mehr“, teilte Detlef Bröcker, Geschäftsführer der Niederbarnimer Eisenbahn (NEB), am Montag mit. „Es wird deutlich länger dauern.“

Immer wieder geraten bei Bahnbetreibern Zeitpläne ins Wanken, weil die Industrie nicht pünktlich liefert oder Zulassungsverfahren länger dauern. Diesmal trifft es die NEB, die in Berlin und Brandenburg bereits auf acht Strecken unterwegs ist, zum Beispiel über Strausberg nach Kostrzyn (Küstrin). Im Dezember kommen zwei weitere Regionalbahnlinien dazu: von Berlin nach Templin und Werneuchen.

Ostkreuz wird Regionalbahnhof

Die Vorgabe lautete, auf einigen Linien die Kapazität zu erhöhen. So schrieb die NEB den Kauf neuer Fahrzeuge aus – und orderte bei Pesa in Polen neun Triebwagen für Tempo 140. Bestellt wurden sieben Zweiteiler, die 140 Sitze und Raum für 18 Fahrräder haben sowie zwei Dreiteiler mit jeweils 200 Sitz- und 30 Fahrradplätzen. Vier Jahre Vorlauf – das müsste reichen, meinte Bröcker. Wie sich jetzt zeigte, irrte er.

Das Zulassungsverfahren ist immer noch nicht beendet, sagte Bröcker. „Für einige Themen muss der Hersteller noch Unterlagen übergeben, damit Gutachter tätig werden können.“ Die Experten müssen bestätigen, dass die polnischen Züge den Regeln entsprechen. Vor Kurzem war der NEB-Chef wieder mal bei Pesa in Bydgoszcz (Bromberg). Ein Zeitplan wurde festgeklopft: „Wir gehen jetzt davon aus, dass die Zweiteiler im ersten Quartal 2016 geliefert werden.“ Die beiden Dreiteiler werden wohl erst Ende 2016 oder Anfang 2017 kommen, sagte er.

Mit vielen Mühen hat das NEB-Team ein Ersatzkonzept auf die Beine gestellt. „Wir konnten acht Triebwagen vom Typ Talent organisieren“, sagte Bröcker. Zwar werde es erst einmal nicht mehr Kapazität geben – aber auch nicht weniger.

Auch Doppelstockwagen lassen auf sich warten

„Das Klagelied kann ich mitsingen“, sagte Renado Kropp von der Deutschen Bahn (DB). Das Unternehmen hat für die stark belasteten Regionalexpresslinien RE 3 und 5, die von Berlin nach Stralsund und Rostock führen, bei Bombardier Doppelstockzüge vom Typ Twindexx bestellt. Aber auch diese Fahrzeuge lassen auf sich warten – weshalb zum Leidwesen der Fahrgäste ältere Fahrzeuge vorerst im Einsatz bleiben.

„Wir sind froh, dass wir die alten Reichsbahnwagen noch haben“, sagte Kropp. Inzwischen heiße es, dass die Lieferung im Dezember beginnen soll. Aber die nötigen, mit Führerständen ausgestatteten Steuerwagen werden dann noch nicht dabei sein, sagte der DB-Manager.

Trotzdem: Es gibt auch gute Nachrichten für die Fahrgäste. So steht nun fest, dass am Ostkreuz vom 13. Dezember an erstmals auch Regionalzüge halten werden – Regionalbahnen nach Eberswalde, Senftenberg, Templin und Werneuchen. Der Knotenpunkt im Osten gewinnt dadurch weiter an Bedeutung.