Wohnungen in der Lankwitzer Wedellstraße. Hier legten Mieter erfolgreich Widerspruch dagegen ein, dass der Balkon zu 100 Prozent in die Wohnfläche eingerechnet wurde.
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BerlinFür Mieter kann es sich lohnen, die Betriebskostenabrechnung genauer anzusehen. Diese Erfahrung haben jetzt mehrere Mieter des größten deutschen Wohnungsunternehmens Vonovia gemacht, das in Berlin mehr als 40. 000 Wohnungen besitzt. In drei Fällen in Lankwitz und in Spandau hat der Alternative Mieter- und Verbraucherschutzbund (AMV) erfolgreich bemängelt, dass der Balkon zu 100 Prozent in die Wohnfläche eingerechnet wurde – erlaubt sind jedoch nur 25 Prozent. Auf den eingelegten Widerspruch habe die Vonovia die Betriebskostenabrechnung anstandslos korrigiert, berichtet AMV-Chef Marcel Eupen.

Für eine Mietpartei in der Lankwitzer Wedellstraße wurde die anrechenbare Fläche für die Betriebskosten von zunächst 67,58 Quadratmeter auf 64,63 Quadratmeter reduziert. Folge: Statt 1.905,96 Euro muss der Haushalt jetzt für 2018 nur 1.834,67 Euro an Betriebskosten bezahlen. Ersparnis: 71,29 Euro. Für einen weiteren Haushalt in der Wedellstraße korrigierte die Vonovia die anrechenbare Wohnfläche ebenfalls um 2,95 Quadratmeter. Die Mieterin zahlt genauso wie der andere Haushalt 71,29 Euro weniger. In einem Haus im Spandauer Ederkopfweg verringerte die Vonovia die anrechenbare Wohnfläche um 2,78 Quadratmeter. Ersparnis für den Mieter: 43,28 Euro.

Lange Zeit zu viel gezahlt

„Natürlich habe ich mich sehr gefreut, gut 70 Euro von der Vonovia erstattet zu bekommen“, sagt eine betroffene Mieterin. „Ich darf nur nicht daran denken, wie viel Geld die Vonovia in den Vorjahren zu Unrecht von mir kassiert hat.“ AMV-Chef Eupen zeigt sich zufrieden. Allerdings hätte er sich „gewünscht, dass die Vonovia von sich aus auch Korrekturen bei den übrigen Mietern, die nicht durch den AMV Widerspruch eingelegt haben, vorgenommen hätte“, sagt er. So seien bei der Wohnanlage in Lankwitz 388 Mietparteien und bei der Wohnanlage in Spandau 85 Mietparteien betroffen.

 Die Vonovia zeigt sich problembewusst. „Wir möchten die Wohnungen mit korrekten Maßen vermieten“, sagt Unternehmenssprecher Matthias Wulff. „Es kann eine Vielzahl von Gründen haben, weshalb Maße von Wohnungen nicht korrekt sind“, erklärt er. „Oftmals sind dies historische Gründe, wenn in früheren Zeiten individuelle Anpassungen vorgenommen wurden, wie etwa der Einbau von Kammern.“ Daher könne die Vonovia keine Angaben zu ganzen Häusern machen.  AMV-Chef Eupen überzeugt das nicht. Durch den Einbau einer Kammer verändere sich die Wohnfläche nicht, sagt er. Immerhin: Die Vonovia will keine falsche Berechnungen aufstellen. „Wenn wir Fehler bei Maßen feststellen, korrigieren wir diese“, sagt Unternehmenssprecher Wulff. Die Vonovia sei bereit, nachzumessen und bestehende Flächen zu prüfen – wenn Mieter Zweifel anmelden.