Ballhaus Berlin: Ein wenig angestaubt

Berlin - Im Flair der 20er-Jahre können unsere Gäste an 31 originalen Tischtelefonen aus dem Jahre 1938 den ganzen Abend flirten, bis die Leitungen durchbrennen.“ So wirbt das Ballhaus Berlin an der Chausseestraße in Mitte um Gäste. In den letzten Jahren offenbar mit wenig Erfolg. Wie Betreiber Herbert Gottschlich (66) gestern der Berliner Zeitung sagte, wird das Ballhaus zum Jahresende schließen.

Gründe nennt Gottschlich, der das Haus seit 30 Jahren betreibt, viele: sein Alter, die schlechte Wirtschaftlichkeit, immer weniger Stammgäste, ein überholtes Konzept, Lärmschutzauflagen, Beschwerden von Nachbarn. Zuletzt habe es immer weniger Veranstalter gegeben, die dort Abibälle oder Firmenfeiern ausrichten wollten. Am 28. Dezember soll es noch eine Abschiedsparty geben, nach der Silvesterparty ist dann Schluss.

Neue Betreiber sind bereits gefunden: der Veranstalter Christof Blaesius und Karl-Heinz Heymann vom Kaffee Burger wollen das Ballhaus übernehmen. „Ich kenne das Haus, seit ich in der Stadt bin und habe es immer als Juwel in der Mitte Berlins empfunden. Es verkörpert das alte Berlin“, sagt Blaesius. Er wolle zunächst renovieren, die Technik erneuern und das Haus „ein bisschen entstauben“. Typische Stilelemente wie die Tischtelefone im großen Ballsaal und die nostalgische Wendeltreppe zur Empore sollen aber beibehalten werden.

Für Anfang März ist die Wiedereröffnung geplant. Die neuen Betreiber wollen, dass das Haus ein Ort der Begegnung bleibt, mit Tanz und Musik. Das Konzept – bislang setzten die DJs auf All Time Favourites und Schlager – soll moderner werden. Künftig wird es gechillte Musik, gutes Essen und Livemusik geben. Außerdem soll das Ballhaus wieder täglich geöffnet sein – und nicht nur am Wochenende.