Berlin - Während der Demonstrationen gegen Israels Militäreinsatz im Gaza-Krieg 2014 traten in Deutschland die Judenhasser so offen auf wie selten: „Israel vergasen“, „Hamas, Hamas – Juden ins Gas“ und „Jude, Jude, feiges Schwein, komm heraus und kämpf allein“ wurde auf Veranstaltungen wie der Al-Quds-Demonstration in Berlin skandiert, meist von arabischstämmigen Jugendlichen und ihren Sympathisanten.

Monate später kommentierte die deutsch-palästinensische Politologin Anna-Esther Younes, es haben sich nicht um Antisemitismus gehandelt, sondern nur um „politischen Ungehorsam“ im „demokratischen Grundgedanken, öffentlich demonstrieren und systemkritisch sein zu dürfen“.

Gefördert vom Kulturfonds

Diese Bemerkung in einem Interview mit Younes aus dem Jahr 2015 hätte wenig Aufmerksamkeit verdient – wäre Younes nicht eine von zwei Kuratorinnen eines Festivals im Ballhaus Naunynstraße in Kreuzberg gewesen: Bei „After the Last Sky“ kamen über vier Wochen palästinensische Künstler, Filmemacher, Tänzer, Schauspieler, Autoren zusammen.

Das Festival wurde, auf Antrag des Ballhauses, vom Hauptstadtkulturfonds des Bundes mit 100.000 Euro und von der Senatskanzlei Berlin mit weiteren 45.000 Euro gefördert. Das Problem: Gegen Teilnehmer, auch gegen Younes, gibt es nun den Vorwurf, sich auf dem Festival bei Nahost-Debatte krass einseitig gegen Israel geäußert zu haben.

Der Tagesspiegel berichtet, Younes habe Israel als rassistisch-kolonialistisches Regime bezeichnet, den Terror der Hamas aber verschwiegen. Das Ballhaus, geleitet von Geschäftsführer Wagner Pereira de Carvalho, reagierte – und verteidigte die Veranstaltung: „Wir verwehren uns gegen die verleumderischen Zuschreibungen, dass bei dem Festival antisemitische oder rassistische Positionen geäußert wurden.“ Bei der Auswahl von Kuratorinnen lehne man „eine Gesinnungsbeurteilung“ ab.

Bereits früher antiisraelische Äußerungen

Die Senatskulturverwaltung von Staatssekretär Tim Renner (und Kultursenator Michael Müller) erklärte, die Vorwürfe weiter aufklären zu wollen. Im Förderantrag seien den Jurys keine problematischen Veranstaltungen aufgefallen. Mit wenig Rechercheaufwand hätte man allerdings bemerkt, dass Anna-Esther Younes sich nicht zum ersten Mal antiisraelisch äußert.

Im selben Interview von 2015 beklagt sie, für Palästinenser in Deutschland gelte ein „Tabu“ darauf hinzuweisen, dass „mit der Gründung Israels ein weiteres Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen wurde“.