Razzia im Wedding.
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BerlinMit einer Großrazzia ist die Bundespolizei gegen eine Schleuserbande vorgegangen. Seit dem frühen Morgen durchsuchten Beamte am Mittwoch elf Objekte in Berlin. Sie stellten Unterlagen, Mobiltelefone und Datenträger sowie gefälschte Ausweisdokumente sicher. Zudem beschlagnahmten sie 124.000 Euro Bargeld.

Den neun Beschuldigten im Alter von 21 bis 63 Jahren haben albanische, griechische, kosovarische, türkische, mazedonische und deutsche Staatsangehörigkeit. Ihnen wird banden- und gewerbsmäßiges Einschleusen von Albanern vorgeworfen. Nach Erkenntnissen der Ermittler schleuste die Bande die Menschen auf dem Luftweg über die Berliner Flughäfen nach Dublin und weiter nach Großbritannien, wo sie als Billiglöhner auf Baustellen arbeiten wollten.

Die Täter besorgten ihnen gefälschte ID-Karten, mit denen sie sich als EU-Bürger ausgeben konnten, um von der Arbeitnehmerfreizügigkeit, die in der Europäischen Union, und bis zum Jahresende auch noch in Großbritannien gilt, zu profitieren. Albaner als Nicht-EU-Bürger können nur als Touristen mit biometrischem Pass drei Monate lang visumfrei in die EU und nach Großbritannien einreisen.

Im Februar dieses Jahres waren Ermittler der Bundespolizei auf einen 38-jährigen Albaner gestoßen, der schleusungswilligen Landsleuten gefälschte ID-Karten mit italienischen beziehungsweise griechischen Personalien anfertigen ließ. Die Fälscherwerkstatt liegt im Ausland. Die Polizisten begannen daraufhin mit tieferen Ermittlungen und hörten unter anderem Telefone ab. Sie fanden heraus, dass die Geschleusten in Italien in Linienbusse oder Billigflieger stiegen und in Berlin als Touristen ankamen. Dort wurden ihnen die gefälschten Ausweise für die Weiterreise nach Großbritannien übergeben.

Den Zwischenaufenthalt verbrachten sie in Wohnungen, unter anderem bei dem mutmaßlichen Bandenchef in der Lüderitzstraße in Wedding. Je nach Qualität der gefälschten Dokumente zahlten die Kunden 300 bis 4000 Euro. Wahrscheinlich waren in diesem Preis auch die Kosten für die Unterkunft in Berlin enthalten, vermuten die Fahnder.

„16 Schleusungen konnten wir klar zuordnen“, sagte Bundespolizeisprecher Jens Schobranski. „Es gibt aber Hinweise, dass es deutlich mehr Taten gibt.“ Die Ermittler haben etwa 60 weitere Schleusungsfälle, bei denen noch nicht klar ist, ob sie der jetzt aufgeflogenen Schleuserbande zuzurechnen sind oder einer anderen. Denn ähnliche Vorgehensweisen gibt es auch andernorts in Deutschland.

Gegen den 38-jährigen Albaner als mutmaßlichem Kopf der Bande, hatte ein Richter Haftbefehl erlassen, bevor er bei der Razzia am Mittwoch in Wedding verhaftet wurde. In seiner Wohnung wurden vier weitere Männer festgenommen, die sich unerlaubt in Deutschland aufhielten. Die Bundespolizei vermutet, dass es Geschleuste sind. Vier weitere mutmaßlich Geschleuste wurden in einer anderen Wohnung angetroffen.

An den Durchsuchungen waren etwa 170 Bundespolizisten beteiligt, die durch Kräfte der Polizei Berlin unterstützt wurden. Die Durchsuchungen fanden in Tempelhof, Neukölln, Mitte, Treptow-Köpenick, Lichtenberg und Steglitz statt. Durchsucht wurden Wohnungen und ein griechisches Restaurant.

Die Ermittlungen sind nach Angaben der Staatsanwaltschaft nicht beendet. Jetzt werden die beschlagnahmten Beweismittel ausgewertet. Die Ermittler hoffen, dass sie daraus Hinweise gewinnen können, um weitere Haftbefehle zu erwirken. Die mutmaßlichen Mitglieder der Schleuserbande sind namentlich bekannt.