Ein vom Zollfahndungsamt sichergestellter Ferrari.
Foto: Zollfahndung

BerlinEine international agierende Bande hat in großem Stil Luxusautos verschoben. Am Donnerstagmorgen legten Ermittler des Zollfahndungsamtes Berlin-Brandenburg den Autoschiebern das Handwerk. Bei Durchsuchungen in Berlin-Reinickendorf und in den Ländern Brandenburg sowie in Thüringen, Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern konnten sie 25 hochwertige Fahrzeuge sicherstellen. Gegen zwei der zwölf Beschuldigten vollstreckten sie Haftbefehle, die zuvor die Berliner Staatsanwaltschaft beim Amtsgericht Tiergarten erwirkt hatte.

An der Razzia waren insgesamt mehr als 200 Beamte der Zollfahndungsämter Berlin-Brandenburg, Hamburg, Dresden, Frankfurt am Main und des Hauptzollamtes Potsdam beteiligt. Unterstützt wurden sie von der Bundespolizei und der Berliner Landespolizei. Auch zwei Bargeld-Spürhunde waren im Einsatz, die im Erschnüffeln von Gelddruckfarben geübt sind.

Die Verdächtigen mit deutscher Staatsbürgerschaft im Alter von 25 bis 52 Jahren waren seit fünf Jahren am Werk. Den Ermittlungen zufolge hatten sie die Luxus-Fahrzeuge, von denen viele gepanzert waren, auf dem russischen Automarkt erworben. Darunter waren Modelle der G-Klasse-Mercedes und Ferraris. Dann fuhren die Täter die Autos nach Deutschland. Dabei gaben sie sich als Touristen aus und täuschten normalen Reiseverkehr vor. Auf diese Weise umgingen sie die Einfuhrzölle.

Mit manipulierten Fahrzeugbriefen beantragten die Täter bei Zulassungsstellen, darunter in Berlin, Ausfuhrkennzeichen. Mit diesen Kennzeichen konnten die Fahrzeuge einen deutschen Fahrzeugschein erhalten und wurden dann europaweit auf dem privaten Automarkt gewinnbringend verkauft. Auf welche Weise die Fahrzeugbriefe manipuliert wurden, sagen die Behörden nicht, „um keine Gebrauchsanleitung zu geben“.

Die Autos unterschiedlicher Hersteller sind in Russland gepanzert worden und gehörten dort reichen Besitzern. Wegen des Rubel-Verfalls lohnte es sich für sie, diese Autos zu verkaufen. Die Bandenmitglieder waren dankbare Abnehmer. Nach Erkenntnissen der Fahnder vermittelten die Täter, die äußerst diskret arbeiteten, die Autos an vermögende Kunden. „Diese hatten ein ausgeprägtes Sicherheitsbedürfnis und legten Wert darauf, dass niemand von der Panzerung ihrer Fahrzeuge erfährt“, sagte Christian Lanninger, Sprecher des Zollfahndungsamtes Berlin-Brandenburg. Die Ermittlungen begannen offenbar, als Zöllner bei der Kontrolle eines Autos aufgefallen war, dass es in Russland gekauft, aber nicht verzollt wurde.

„Der bislang ermittelte Steuerschaden beläuft sich auf über drei Millionen Euro“, so Lanninger. Die Zollfahnder beschlagnahmten Vermögenswerte von insgesamt über 900.000 Euro, darunter Bargeld, Luxusuhren und eine teure Motorjacht. Außerdem ließ die Staatsanwaltschaft die Bankkonten der Tatverdächtigen einfrieren.