Berlin - Zurzeit verhandelt die Polizei intensiv per Telefon mit dem Täter. Sie versucht ihn zum Aufgeben zu überreden. Am späten Nachmittag hatte der Mann die Filiale der Deutschen Bank an der Potsdamer Straße, Ecke Teltower Damm betreten und einen 40-jährigen Angestellten bedroht. Er verlangte eine sechsstellige Summe und drohte, das mehrstöckige Gebäude mit einer Bombe in die Luft zu sprengen. Gegen 23.30 Uhr wurden Geiseln und Geiselnehmer von der Polizei mit Essen und Getränken versorgt. Die Beamten vor Ort stellen sich auf eine lange Nacht ein.

Die Polizei sperrte das Areal weiträumig ab. Die Potsdamer Straße wurde zwischen Teltower Damm und Martin-Buber-Straße in beide Richtungen gesperrt. Dadurch kam es zu einem Verkehrschaos.

20 Angestellte konnten sich in Sicherheit bringen und die Polizei alarmieren. Der 40-jährige Angestellte aus Potsdam wurde von dem Täter festgehalten. Die Frau der Geisel wird derzeit von Seelsorgern betreut.

Ein Großaufgebot der Polizei mit etwa 400 Beamten rückte an. Ein für solche Fälle extra einberufener „Einsatzstab Schwerstkriminalität“ übernahm das Kommando. Auch ein Spezialeinsatzkommando (SEK) und Präzisionsschützen gingen vor Ort in Stellung. Die Verhandlergruppe des SEK machte sich am frühen Abend auf den Weg und versuchte, mit dem Täter Kontakt aufzunehmen. Bei den Verhandlern handelt es sich um psychologisch geschulte Mitarbeiter der Polizei, die für Gespräche mit Geiselnehmern herangezogen werden.

Die Polizei steht in Kontakt mit dem Geiselnehmer, der einen größeren Geldbetrag und freies Geleit fordert. Es werde eine „konfliktfreie Lösung“ angestrebt, fügte der Sprecher hinzu. Nach Informationen der „Bild“-Zeitung soll es sich bei dem Täter um einen Deutschen handeln. Er wird als Ende zwanzig und von kräftiger Statur beschrieben.

Seit mehreren Stunden führt die Polizei intensive Verhandlungen mit dem Geiselnehmer. Ein Polizeisprecher sprach von einer „stabilen Situation“. Man hoffe, dass der Geiselnehmer aufgibt. Unterdessen erweiterte die Polizei den Sperrkreis. Denn der Geiselnehmer hat sich im Fernsehen über die polizeilichen Maßnahmen informiert. Unterdessen hat die Polizei aus den Nachbarhäusern mehrere Bewohner herausgeführt. Sie befürchtet, dass der Geiselnehmer mit seiner Drohung, das Haus in die Luft zu sprengen, ernst macht.

Seit mehreren Jahren hatte es in Berlin keinen vergleichbaren Fall mehr gegeben. Zuletzt kidnappte im April 2003 der Bankräuber Dieter W. in Steglitz einen Linienbus. Von ursprünglich 20 Geiseln wurden im Verlauf einer mehrstündigen Irrfahrt durch die Stadt alle bis auf zwei freigelassen. Nach viereinhalbstündiger Geiselnahme stürmte ein Spezialeinsatzkommando den entführten Bus, befreite die letzten beiden Geiseln unverletzt und nahm den 46-jährigen Entführer fest. (mit dapd)