Ende November muss das Hotel Bogota in der Schlüterstraße Ecke Kudamm endgültig schließen, der Mietvertrag wird nicht verlängert. Doch mit dem Bogota schließt nicht nur einfach irgendein Hotel, sondern eine Ära geht zu Ende.

1911 wurde das Gebäude errichtet. Zunächst lebten viele Juden indem großbürgerlichen Wohnhaus bis die Nationalsozialisten die Macht ergriffen. Der weltberühmte Fotograf Helmut Newton ging hier bei der Modefotografin Iva in die Lehre. Im Erdgeschoss, bei einem der Feste der Unternehmerfamilie Oskar Skaller, soll der junge Benny Goodman aufgetreten sein – einer der ersten Auftritte des Jazzmusikers in Europa. 1941 zog die Reichskulturkammer ein. Nach dem Krieg hatte der Kulturbund in dem Haus an der Schlüterstraße 45 seine Adresse. 1976 eröffneten das Hotel Bogota.

Am Sonnabend findet dann einer der letzten Feiern im Hotel Bogota statt. Die Bar Vulkan, ein von bildenden Künstlern 2007 für ihre Performances gegründeter Aktionsrahmen, wird im Bogota eine Nacht mit künstlerisch-philosophisch-astronomischen Aufführungen von unter anderem Ana Català aus Valencia und Tim (spanischer Text mit Klavierbegleitung), Cèline Willame aus Brüssel (an die Wand geworfenes Licht und französischer Text), Charles Chaplin aus USA alias François Bucher aus Bogotá alias Sylwia Ludas aus Berlin (Performance), Marcin Lodyga aus London mit Ella Klaschka aus Berlin (Performance), Christophe Kotanyi aus Berlin (Pulsar-Frequenz) und den Wilden Hunden aus Polen veranstalten.

Davor gibt es eine Führung durch das Haus mit Joachim Rissmann und anschließend eine „Levitation“ im Salon mit Liveaufführungen, Performances, Lesungen, Vorträgen und Alkohol.

Kein anderer Ort würde hierzu eine bessere Bühne bilden als das Bogota mit seinem leicht verblichenen doch reizvollen Charme. Mit dem Hotel Bogota wird Berlin einen authentischen Ort einbüßen. (mpw.)

Bar Vulkan im Hotel Bogota, Sa., 9.11., 19.30 Uhr. Schlüterstraße 45, Charlottenburg