Berlin - In Berlin hat Barbie verloren. Ihr Traumhaus, das seit Mitte Mai wenig glamourös hinter dem Kaufhaus Alexa auf einem staubigen Parkplatz neben Bierbikes und Safari-Trabis steht, direkt unter den S-Bahngleisen, dieses Dreamhouse wird am 1. September abgebaut. Fünf Wochen früher als geplant. Es soll zurück nach Amerika. Warum das so ist, ob es an schlechten Zahlen liegt, die man vermutet, wenn man gelegentlich dort war und es stets leer vorgefunden hat, oder am angeblich vorliegenden Angebot, auf das Gelände der Mall of America in Minnesota zu ziehen, das bestbesuchte Einkaufszentrum der Welt, darüber gaben die Veranstalter gestern keine Auskunft.

Die Bild-Zeitung hatte gemeldet, dass knapp 110.000 Menschen das pinkfarbene Fertighaus besucht hätten, das auf der Website der Stadt als interaktive Erlebnisausstellung vermarktet wird. 110.000 Besucher in 102 Tagen, das klingt nach einer Menge Leute. Allerdings besuchen 30.000 Menschen das Legoland in Günzburg allein an einem guten Wochenende.

Der Gegner verschwindet von selbst

Nun ist das Barbiehaus nicht Legoland, weder in der Größe noch sonst in irgendeiner Form. In Barbies Küche beispielsweise beschränkt sich die Interaktivität darauf, dass aus einer Herdplatte ein Toaster wird, wenn man auf einen Knopf drückt. Der Fahrstuhl rüttelt um zu suggerieren, dass er fährt. Man kann wenig machen und ist schnell ernüchtert, zumal man 15 Euro Eintritt für das Ganze bezahlt hat.

Trotzdem waren viele Leute in Sorge, das Barbiehaus könnte kleinen Mädchen großen Schaden zufügen. Eine Femen-Aktivistin war deshalb demonstrierend in den Brunnen davor gesprungen, halbnackt, mit einer brennenden Barbie an einem Kreuz in der Hand. Es entstand ein Handgemenge, in dem ein Baby aus seinem Kinderwagen fiel und eine alte Frau umgestoßen wurde. Die Lehrergewerkschaft GEW protestierte, die Bewegung „Occupy Barbiehaus“ wurde gebildet, die Kampagne Pink Stinks verurteilte das Barbiehaus als sexistisch. Alles blieb folgenlos. Der Protest und das Barbiehaus.

Doch an diesem Wochenende will Pink Stinks wieder protestieren. Sogar vor dem Brandenburger Tor. Nur verschwindet der Hauptgegner nun plötzlich von selbst.