Barbie-Haus Berlin: Hauptsache blond

Um halb zwei wird es plötzlich aufregend. Es ist der Tag der Eröffnung des weltweit zweiten Barbie-Traumhauses. Den Vormittag über hatte bloß die Sonne auf den Parkplatz und die zahlreich anwesenden Kamerateams und die wenigen Besucher gebrannt, aber dann erscheint eine Frau in glitzernden Highheels und einer Blumenkrone auf dem Kopf. Die schon gelangweilten Journalisten treten näher.

Plötzlich reißt sich die Frau die Kleider vom Leib, entzündet eine Fackel und springt in den pinkfarbenen Stöckelschuh, den Brunnen vor dem Barbie-Haus. Dabei brüllt sie: „Burn the Idol! Burn the Idol!“ Die Fackel ist ein Kreuz, an das eine Barbie genagelt ist. Auf dem Oberkörper der Frau steht: „Life in Plastic is not fantastic“.

Gerangel nach Protestaktion

Die Kameras klicken, kurz darauf erscheint ein Mitarbeiter des Hauses, packt die Frau am Ellenbogen und dirigiert sie zum Ausgang. Dort schlägt Klara Martens, eine Femen-Aktivistin, die Fackel auf den Boden, um sie zu löschen, als plötzlich ein Punk auftaucht, ihr die Fackel aus der Hand reißt und damit zurück zum Brunnen rennt. Ein Sicherheitsmann springt hinzu, hält ihn fest, der Punk reißt sich los, es kommt zum Gerangel, eine ältere Frau wird umgestoßen und ein Kinderwagen. Das darin liegende Baby fällt auf den Boden. Tränen, Geschrei, die Polizei kommt, aber der Punk ist weg. Das drei Monate alte Baby weint, passiert ist ihm nichts.

„Es hat sich ja doch noch gelohnt herzukommen“, sagt der Reporter der „Irish Times“, ich hatte schon befürchtet, dass ich einen Werbetext für Mattel schreibe“. Denn die angekündigte Pressekonferenz der Barbie-Gegner „PinkStinks“; „Occupy Barbiehaus“ und der Lehrergewerkschaft GEW hat zwar stattgefunden, aber außer den Journalisten hatte das niemand bemerkt. Der erwartete Besucherandrang blieb aus.

Barbie nicht verbieten, sondern füttern!

Aber Julia Götte von „Occupy Barbiehaus“, eine Abiturientin mit grün gefärbten Haaren, einem Ring durch die Nase und einem durchs Zahnfleisch, hatte erklärt, dass sie hier sei, „um gegen das stereotype Rollenbild zu demonstrieren, das durch Barbie transportiert wird. Die Erfüllung von Mädchen besteht nicht darin, sich zu schminken, zu backen und zu kochen“. Stevie Schmiedel von „PinkStinks“ hatte ausgeführt, dass das Spielen mit Barbie das Körperbewusstsein von Mädchen beeinflusse, das belege unter anderem eine Studie der Universität Sussex. „Der Druck, schön und dünn zu sein, ist enorm groß“, sagt Schmiedel. „In Hamburg, wo ich wohne, sind die Praxen von Psychologen voll mit essgestörten Mädchen. Das Problem ist nicht eine Barbie, sondern eine ganze Spielwarenwelt, die sich daran anlehnt. Wir verurteilen auch nicht die Mädchen oder Eltern, die herkommen, die sollen ihren Spaß haben. Wir verurteilen die Werbewelt.“ Sollte Barbie verboten werden? „Nein, sie soll gefüttert werden.“

„Daran schließen wir uns gerne an“, sagt Doreen Siebernik, Vorsitzende der GEW. „Was wir hier im Barbiehaus erleben, verstehen wir nicht unter pädagogischer Vielfalt. Typisch Mädchen, typisch Junge, das haben wir längst überwunden. Wir distanzieren uns eindeutig von dieser pinkfarbenen Welt.“ Dann muss sie weg, zum Molkenmarkt, den Lehrerstreik am Laufen halten.

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Einzige blonde Femen-Aktivistin

Etwas später ziehen rund 120 Demonstranten vor das Barbiehaus. Dazu das Sondereinsatzkommando der Polizei. Gegen den Punk wird wegen fahrlässiger Körperverletzung ermittelt. Die Femen-Aktivistin Klara Martens sitzt inzwischen wieder bekleidet etwas abseits. „Es ist das erste Mal, dass ein Protest von uns andere zum Protest bewegt“, sagt sie, „aber wie das ausgegangen ist, finde ich nicht gut.“

Frau Martens, gibt es eigentlich Kriterien für Femen-Aktivistinnen? Man sieht nur wohlgeformte Frauen bei den Auftritten. „Nein, gar nicht. In der Ukraine gibt es viele übergewichtige Aktivistinnen. Aber die Medien veröffentlicht nie Fotos von ihnen.“ Sie sei übrigens für diesen Auftritt ausgewählt worden, fügt sie hinzu, „weil ich die einzige blonde Aktivistin in Deutschland bin“.