Pink ist keine Gute-Laune-Farbe. Diese Aussage lässt sich schon nach zwanzig Minuten im neuen Barbie-Traumhaus treffen. Die Journalisten, die sich die Erlebniswelt des wohl meistgehassten und meistgeliebten Spielzeugs der Welt zeigen lassen, sind gerade erst in der Küche angekommen, doch macht sich bereits eine leicht gereizte Stimmung bemerkbar.

An den Presseleuten des Puppenherstellers und der Entertainmentfirma, die diese Ausstellung erfunden haben, kann es nicht liegen. Geradezu liebevoll führen sie jedes einzelne interaktive Spiel vor, das in den verschiedenen Räumen wartet. Auf Knopfdruck kann man am Bildschirm Muffins zusammenrühren, auf Knopfdruck spielt Barbies Klavier berühmte Barbie-Melodien, auf Knopfdruck kann man sich tolle Ansichtskarten zusammenstellen oder Barbies Toilettenspülung bedienen. Alles ist ganz einfach, interaktiv und leicht konsumierbar.

Die Macher sind stolz auf ihr Produkt. 18 Monate habe man am Dreamhouse gearbeitet, erzählt Christoph Rahofer von der Event Marketing Service GmbH (EMS), die gemeinsam mit der Firma Mattel, dem Hersteller der Barbie, das Konzept entwickelt hat. Dabei hat man einfach einem Grundprinzip der Marktforschung Rechnung getragen, in dem man das erklärte Lieblingsspielzeug zu echtem Leben erweckt und so ein Erlebnis mit Anziehungskraft schafft. Am Eingang gibt’s ein pinkfarbenes Armband, mit dem man sich im Traumhaus quasi einloggen kann. So wird man dann auf den Bildschirmen in jedem Zimmer mit seinem Namen begrüßt – das Haus spricht mit seinen Gästen. „Für jeden wird das ein einzelnes besonderes Erlebnis“, so Rahofer. Wer Barbie hat, braucht keine anderen Freunde mehr.

Im schier endlosen Ankleidezimmer erklärt Stephanie Wegener von der Herstellerfirma Mattel die Epochen, die die langbeinige Puppe bereits durchlebt hat und zählt die vielen Designer auf, die der ewig lächelnden und nie maulenden Barbie schon Kleider auf den perfekten Körper geschneidert haben. Etwa 350 Barbies in verschiedensten Outfits mit durchaus geschmackvollen Farben stehen entlang des Rundgangs. Leider fehlen Schilder, die erläutern, welcher Designer hier jeweils tätig war. Das soll noch ergänzt werden, wird versichert und gleichzeitig betont, dass die Barbie auch richtig emanzipiert ist. „Die Barbie kann alles sein“, sagt Stephanie Wegener, „es gibt Designs in 160 verschiedenen Berufen“.

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Doch das pinkfarbene gedämpfte Licht macht den Aufenthalt anstrengend. Man möchte sich die Farbe nach einer gewissen Zeit förmlich aus den Augen blinzeln. Was natürlich vergeblich ist in diesem Horrorhaus. Es ist genauso geworden, wie die schärfsten Kritiker es vorhergesagt haben – eine rosafarbene Glitzerwelt des schönen Scheins. Ein oberflächlicher Albtraum in Pastell. Die kleinen Mädchen werden es lieben. Sie dürfen von Barbies Balkon auf den gemalten Malibu-Beach blicken, an jeder Ecke Barbiefilme gucken, in Barbies Himmelbett liegen (Vorsicht, es ist sehr hart) und in den Bildschirm-Himmel blicken oder in Barbies Freundschaftsbuch schreiben.

Am Ende des Rundgangs liegt der Eventbereich. Hier treffen Barbie und die Welt der Topmodels aufeinander: Wer möchte (und extra zahlt) darf sich schminken und in rosa Glitzertüll einkleiden lassen und dann bei einer Modenschau mitmachen. Oder auf der Bühne stehen und in der Karaoke-Show ein Star sein (kostet auch extra). Erwachsene können in der Zwischenzeit zur Beruhigung im Café süße pastellfarbene Cupcakes naschen. Es gibt aber auch Hotdogs. Der Ausgang befindet sich natürlich beim Shop, in dem sich alle möglichen Barbie-Spielsachen bis hin zum großen Barbiehaus (299 Euro) erstehen lassen.

Vor der Tür steht an diesem Tag Stevie Schmiedel vom Verein Pinkstinks und gibt Interviews – sehr zum Missfallen der Barbie-Organisatoren. Schmiedels Verein macht gegen die Pinkisierung im Allgemeinen und gegen das Dreamhouse im Besonderen Stimmung. So will man am Donnerstagvormittag um 11 Uhr einen „Pressestand gegen Barbie Dreamhouse“ veranstalten, am Nachmittag wird die Gruppe „Occupy Barbie Dreamhouse“ Flyer verteilen und ruft zur Demo auf. Vielleicht genügt es aber, wenn sie die erschöpften Eltern nach dem Rundgang einfach mal kurz in den Arm nehmen.

Barbie Dreamhouse, 16. Mai bis 25. August, Voltairestraße 2a in Mitte. Täglich von 10 bis 20 Uhr, Eintritt: 12 Euro für Kinder, 15 Euro für Erwachsene.