Manchmal lohnt es sich, bei Problemen den obersten Chef anzusprechen. Das hat auch die Berliner Rollstuhlfahrerin Ursula Lehmann erlebt. Sie hatte sich häufig darüber beschwert, dass auf vielen Bahnhöfen die Aufzüge defekt sind und Reparaturen oft lange auf sich warten lassen.

Doch die Kritik blieb wirkungslos. Das änderte sich erst, nachdem die Frau Bahn-Chef Rüdiger Grube bei einer Diskussion mit Fahrgästen auf das Problem aufmerksam gemacht hatte. „Siehe da – nach zwei Wochen hatte ich einen Termin“, erzählte Lehmann, die im Spontanzusammenschluss „Mobilität für Behinderte“ für einen barrierefreien Nahverkehr in Berlin streitet. Inzwischen hat die Bahn ein Konzept zur schnelleren Behebung von Aufzugstörungen vorgelegt.

Es ist ein Plan, den Ursula Lehmann, die sonst sehr kritisch ist, gut findet. Sie sei „hoffnungsvoll“, dass er funktioniert, sagte sie. Das Konzept, das der Berliner Zeitung vorliegt, stammt vom Bahnhofsmanagement Berlin. Ein Qualitätslenkungskreis habe überprüft, ob das bisherige Vorgehen ausreicht, heißt es darin. Offenbar nicht – denn als Ergebnis werden nun „weitere, kurzfristig wirksame Maßnahmen umgesetzt“, so der oberste Berliner Bahnhofsmanager Patrick Malter.

Das Ziel lautet: Störungen an Aufzügen und Rolltreppen sollen schneller als bisher behoben werden. Bei Ausfällen im Stadtzentrum lautet die Vorgabe, dass in der Regel innerhalb von einer Stunde reagiert wird. Rolltreppen, bei denen mutwillig der Notabschaltknopf gedrückt wurde, sollen schneller wieder in Fahrt kommen. Dazu werde zusätzliches Servicepersonal geschult, das diese Anlagen in Gang setzen darf.

Bald 243 Fahrstühle bei der BVG

Vorgesehen ist auch, dass in Berlin ein Ersatzteillager eingerichtet wird, damit Standardkomponenten bei Ausfällen schneller zur Hand sind. Und sobald die DB-Computerleute dies freigegeben haben, sollen Ausfälle in den stark frequentierten Stationen Alexanderplatz und Friedrichstraße in den technischen Betriebszentralen automatisch gemeldet werden – damit zügiger reagiert werden kann.

Inzwischen zeigt das Konzept Wirkung. „Erste Auswertungen haben gezeigt, dass die Anzahl der Störungen zurückgegangen sind“, sagte ein Bahnsprecher am Mittwoch. „So waren in der vergangenen Woche durchschnittlich 11 Aufzüge pro Tag auf der S-Bahn-Homepage als gestört gemeldet. Bei rund 250 Aufzügen in Berlin entspricht das einer Verfügbarkeit von mehr als 96 Prozent.“ Zudem werden kaputte Anlagen jetzt schneller repariert.

Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) kündigten an, dass weitere U-Bahnhöfe Aufzüge bekommen – als nächstes Yorckstraße und Haselhorst für insgesamt 4,7 Millionen Euro. Von den 173 Stationen haben 99 bereits Aufzüge. 2020 werden alle U-Bahnhöfe barrierefrei sein, bekräftigte die BVG.

Bis dahin soll die Zahl der Aufzüge von 133 auf 243 steigen. Doch nicht nur der Bau kostet Geld. Laut BVG werden sich die Betriebskosten künftig auf 4,1 Millionen Euro pro Jahr summieren. Um Anlagen zu ersetzen, werden jährlich 8,4 Millionen Euro benötigt.