Berlin ist nicht nur auf Sand gebaut, die Stadtmitte steht auch auf Kies, Torf, bröckeliger Braunkohle. Und auf Mudde. Das sind schlammige Sedimente, die viel organisches Material enthalten und nicht gut riechen. „Mudde ist eine Art Blumentopferde. Sehr instabil“, erklärt Jörg Seegers. Er gehört zu einem Team, das mit diesem geologischen Sammelsurium zurecht kommen muss. Seegers ist Technik-Chef der Projektrealisierungsgesellschaft, die für den Weiterbau der U-Bahn-Linie U 5 in Mitte verantwortlich ist. Bei dem Lückenschluss zwischen Alexanderplatz und Brandenburger Tor gibt es Verzögerungen, sagt er. Das hat ebenfalls mit dem Boden zu tun.

„Es ist richtig, dass wir uns bislang um rund ein halbes Jahr verspätet haben. Zeitpuffer sind zum Teil aufgebraucht worden“, so der Bauingenieur. Grundwasserprobleme hatten die Fahrt der Tunnelvortriebsmaschine, die mit dem Bau der ersten Röhre begonnen hatte, unter der Museumsinsel im Herbst gestoppt. „Das Grundwasser steht in diesem Bereich sehr hoch, im Schnitt rund vier Meter unter der Oberfläche“, sagt Seegers. Umplanungen wurden nötig, bevor der 74 Meter lange Bohrer namens Bärlinde wieder rotieren durfte. „Wir wollten ganz sicher gehen, dass die Weiterfahrt ungefährlich ist. Deshalb haben wir das Sicherheitsniveau über das bisher schon geplante Maß hinaus zusätzlich erhöht“, sagt Seegers. „In die Baugrube, deren Schlitzwände 42 Meter tief hinabreichen, haben wir einen Aussteifungsrost eingebaut, der die Stabilität erhöht.“ Seit Dienstag ist Bärlinde wieder unterwegs.

Ein rot bemaltes Stück Papier mit den Buchstaben „SR“, das vor Seegers’ Büro im Flur auf einer Karte der U 5 klebt, zeigt die Position des Tunnelbohrers an. „SR“ heißt „Schneidrad“ – gemeint ist die mit Meißeln und Klingen versehene Stahlscheibe, mit deren Hilfe sich die Maschine durch den Untergrund wühlt. Seegers: „Wir nähern uns dem Spreekanal“, dem Wasserweg unter der Schlossbrücke. Doch der Weg, den Bärlinde zurücklegen muss, ist noch weit. Sie hat erst knapp einen halben Kilometer der ersten Röhre geschafft. Die U-Bahn-Strecke wird 2,2 Kilometer lang, und sie bekommt zwei Tunnelröhren.

„Wir können aber weiterhin sagen, dass sich der Eröffnungstermin Ende 2019 halten lässt“ – dann soll die U 5 aus Hönow über den Alexanderplatz hinaus zum Hauptbahnhof fahren. Entspannt ist der Technik-Chef des BVG-Tochterunternehmens auch, weil das größte Verkehrsprojekt in Mitte für Autofahrer bald nicht mehr so nervig sein wird.

Linden wieder mehrspurig

Auf der Kreuzung Unter den Linden/ Friedrichstraße verschwinden Teile der Baustelle. Zuerst im Verlauf der Friedrichstraße: „Ende April könnte dort die frühere Verkehrsführung wieder hergestellt werden – damit auch der frühere Zweirichtungsverkehr.“ Ebenfalls noch 2014 soll Unter den Linden keine Einbahnstraße mehr sein: „ Wir wollen die Voraussetzungen schaffen, dass dort der Straßenverkehr ab Herbst wieder wie früher fließen kann.“

Sicher, der Zeitplan für die U 5 ist aus dem Lot geraten. Höhere Kosten sind absehbar: 525 Millionen statt 433 Millionen Euro. Seegers ist dennoch zufrieden. „Unser Messsystem würde jede Normabweichung, jede Setzung sofort registrieren. Unterm Humboldt-Forum lagen die Abweichungen unter einem Millimeter. Wenn das so weitergeht, können wir beruhigt sein“, sagt er. „Mein Schlaf ist gut. Danke der Nachfrage.“