Nur noch etwas mehr als einen halben Kilometer, dann ist es geschafft. Dann ist auch die zweite Tunnelröhre für die Verlängerung der U-Bahn-Linie U?5 im Rohbau fertig. „Mitte September soll es so weit sein“, teilte Heike Müller, Sprecherin der Projektrealisierungs GmbH U 5, am Montag mit. Vorausgesetzt, es passiert nicht noch etwas Unvorhergesehenes.

Das könnte zum Beispiel der Fund eines Findlings sein, der „Bärlinde“, der Tunnelbohrmaschine, den Weg durch den Untergrund versperrt. Doch bislang sei die Fahrt gut vorangegangen, sagte Müller. Von der 1?620?Meter langen zweiten Tunnelröhre sind 1065 Meter gebaut, sagte Müller. Die bisher gebaute Röhre besteht aus 708 Ringen, die aus Betonteilen zusammengefügt worden sind.

Momentan pausiert der 74 Meter lange und mehr als 700 Tonnen schwere Tunnelbohrer, der im April unweit vom Roten Rathaus aufgebrochen war, Unter den Linden in Höhe Charlottenstraße. Vor seinem Schneidrad befindet sich der Rohbau des U-Bahnhofs Unter den Linden – dort werden die Fahrgäste künftig zwischen den Linien U?5 und U?6 umsteigen können.

Wasser und Schlamm

Weil schon einige Bauteile fertig sind, muss die Mannschaft vom schweizerischen Bauunternehmen Implenia in diesem Bereich besonders vorsichtig fahren. „Mehr als sechs Ringe pro Tag werden dort nicht möglich sein“, sagte die Sprecherin des BVG-Tochterunternehmens. „Wahrscheinlich wird ’Bärlinde’ drei Wochen brauchen, bis sie diesen Bahnhof hinter sich gelassen hat.“ Ihr Ziel liegt kurz vor dem Bahnhof Brandenburger Tor. Auch dort ist Vorsicht angesagt.

Kurz nachdem 2014 die erste Röhre im Rohbau fertig geworden war, drangen plötzlich Wasser und Schlamm in die unterirdische Baustelle ein. Wie berichtet kam ein Gutachten nach einem gerichtlichen Beweissicherungsverfahren zu dem Schluss, dass die Havarie größtenteils im Verantwortungsbereich der BVG liegt.

Der rund 2,2 Kilometer lange Lückenschluss soll Mitte oder Ende 2020 in Betrieb gehen. Bisher hieß es, dass der neue U-Bahn-Abschnitt in Mitte 525 Millionen Euro kosten wird. In welchem Maße die Havarie Unter den Linden die Kosten erhöht, ist noch nicht klar.