Er ist gerade mal 24 Stunden als neuer Bau-Staatssekretär im Amt, da muss Andrej Holm seinen Lebenslauf korrigieren. Ihm sei erst jetzt durch Einblick in die von Medien veröffentlichte Kaderakte des Ministeriums für Staatssicherheit klar geworden, dass er in der Wendezeit als hauptamtlicher Stasi-Mitarbeiter tätig war, räumte Holm am Mittwoch ein. Zuvor sei er der Auffassung gewesen, er habe sich damals noch in der Ausbildung befunden und hätte die Tätigkeit als hauptamtlicher Mitarbeiter erst danach aufnehmen sollen.

Durch diese Korrektur gerät Holm gehörig unter Druck. Bei seiner Anstellung an der Humboldt-Universität 2005 hatte der Stadtsoziologe angegeben, nicht für die Stasi gearbeitet zu haben. Er verwies in seinem Lebenslauf lediglich darauf, vom 1. September 1989 bis zum 14. Februar 1990 eine „Grundausbildung“ beim Stasi-Wachregiment Feliks Dzierzynski absolviert zu haben.

Auch die Frage, ob er finanzielle Zuwendungen von der Stasi erhalten habe, verneinte Holm damals. Er sei davon ausgegangen, dass es um Einkünfte außerhalb des Wachregiments ging. Er habe nun die Humboldt-Universität und den Senat informiert und einen „entsprechend überarbeiteten und korrigierten Lebenslauf“ an sie geschickt, sagte Holm.

„Sehr froh, dass die DDR zu Ende gegangen ist“

Andrej Holm hatte als 18-Jähriger im September 1989 eine Offiziersausbildung bei der Stasi begonnen. Zunächst absolvierte er die Grundausbildung beim Wachregiment Feliks Dzierzynski. Ab Oktober 1989 war er in einer Auswertungs- und Kontrollgruppe (AKG) tätig.

Holm selbst hatte diesen Teil seiner Biografie 2007 offengelegt und sich davon distanziert. „Ich bin tatsächlich sehr froh, dass die DDR zu Ende gegangen ist“, sagte er am Mittwoch. „Ich habe heute großen Respekt vor allen, die in der DDR aufbegehrten, die den Mut hatten, anders zu sein.“ Er könne seine Geschichte nicht umkehren oder auslöschen, sondern sich nur mit ihr auseinandersetzen.

Holm sagte, das Erinnerungsvermögen habe seine Tücken. Er sei bisher immer davon ausgegangen, dass er sich mit 16 Jahren bereit erklärt habe, später bei der Stasi anzuheuern. Tatsächlich habe er dies schon mit 14 Jahren getan.

Holm berichtete, es sei der Plan gewesen, ihn zum Journalisten auszubilden. Holm hat nach eigenen Angaben keine anderen Personen bespitzelt. Die Auswertungs- und Kontrollgruppe hatte seines Wissens nach Informationen aus verschiedenen anderen Abteilungen zu Lageberichten zusammenzufassen.

In jener Zeit, als es immer wieder Demonstrationen gegen die DDR-Regierung gab, sei die „Behörde“ in heller Aufregung gewesen, erinnert sich Holm. Für Offiziersschüler wie ihn habe es „keine sinnvolle operative Verwendung“ gegeben. Er sei vielmehr in ein Zimmer gesetzt worden, wo er Berichte lesen sollte. In den Berichten sei es unter anderem um Betriebsversammlungen gegangen, beispielsweise bei Bergmann Borsig.

Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke) steht weiter zu ihrem Staatssekretär. Die neuen Erkenntnisse über seinen Lebenslauf änderten nichts an der Einschätzung, dass er „keine repressive Tätigkeit“ ausgeübt habe. Er habe niemanden bespitzelt und niemandem geschadet. (mit fred.)