Berlin - Knapp vier Wochen noch, dann müssen sich zahlreiche S-Bahn-Fahrgäste im Osten Berlins neue Wege suchen. Ende August beginnt die erste Etappe eines großen Bauprogramms, das bis in den Herbst hinein zu Streckensperrungen führen wird. Nun hat der Senat erste Einzelheiten des Ersatzverkehrskonzepts bekannt gegeben. Auf Anfrage des SPD-Abgeordneten Sven Kohlmeier aus Marzahn-Hellersdorf stellte Staatssekretär Stefan Tidow (Grüne) die jetzigen Überlegungen dar. „Das große Chaos wird vermutlich ausbleiben“, lobte Kohlmeier.

Los geht es am 26. August auf der Strecke nach Wartenberg. Dann wird die S75 ab Springpfuhl gesperrt, weil die Deutsche Bahn (DB) dort die S-Bahn-Gleise erneuern lässt. 6,3 Kilometer Schienen, 16.000 Schwellen und 20.000 Tonnen Schotter werden ausgetauscht. Die Arbeiten sollen bis Anfang Oktober dauern. Das bedeutet aber nicht, dass gleich danach die S-Bahn wieder wie gewohnt fahren kann. Im Gegenteil: Die Sperrungen werden dann erheblich erweitert.

U5 fährt wochentags länger im dichten Takt

So ist vom 4. Oktober an aus Richtung Westen bereits vor dem Bahnhof Lichtenberg Schluss. Bis Mitte November verkehren keine S-Bahnen zwischen Nöldnerplatz sowie Wartenberg, Ahrensfelde (S7) und Wuhletal (S5). Anlass ist, dass die Bahn ein elektronisches Stellwerk in Betrieb nimmt. Außerdem wird die neue Zugsicherungstechnik ZBS installiert. Bei laufendem S-Bahn-Betrieb wäre das nicht möglich, hieß es bei DB Netz. Ein Grund sei, dass die Gleise zu nahe beieinander liegen.

Der Osten wird abgehängt. Wie kommen die Fahrgäste während der Bauzeit an ihre Ziele? Auf mehreren Linien, die Verbindungen zur Stadt- und Ringbahn schaffen, wird ein Schienenersatzverkehr (SEV) eingerichtet, antwortete Staatssekretär Tidow. Damit die Busse gut vorankommen, sollen zeitweise Busspuren markiert werden. Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) wollen zusätzliche Busverbindungen schaffen. So wird der Zehn-Minuten-Takt auf der Linie 192 ausgeweitet, die Linie X69 bekommt eine weitere Haltestelle.

Auf der U-Bahn-Linie U5 weitet die BVG die Hauptverkehrszeit aus. Montags bis donnerstags von 5.30 bis 20.15 Uhr, freitags sogar bis 21.45 Uhr sollen die Bahnen alle vier Minuten und 40 Sekunden fahren.

Außerdem ist vorgesehen, der S-Bahn-Linie S5 im Osten Berlins eine neue Streckenführung zu verpassen, so der Staatssekretär. Diese S-Bahnen werden ab Ostkreuz nach Friedrichshagen geleitet. Das soll Fahrgästen, die südlich der jetzigen S5 wohnen, eine Umfahrungsalternative bieten.

Kein Konzept für die Fahrradbeförderung

Weil auch der Verkehr von und nach Brandenburg betroffen ist, wird zudem der Regionalbahnverkehr verstärkt. Auf den Linien RB25 (Ostkreuz–Werneuchen) und RB26 (Ostkreuz–Kostrzyn) werden Entlastungszüge rollen, kündigte Tidow an.

Der SPD-Abgeordnete Kohlmeier hofft, dass die S-Bahn-Baurbeiten pünktlich enden. Ein Wermutstropfen sei allerdings, dass es kein Konzept für die Fahrradbeförderung gebe, bedauerte er. Im Gegensatz zu Fahrgästen mit eingeschränkter Mobilität sowie Reisenden mit Kinderwagen und Gepäck müsse diese Nutzergruppe "nachrangig behandelt werden", so Tidow.