Viele Fahrgäste der Berliner S-Bahn müssen sich neue Wege suchen. Denn der Nord-Süd-Tunnel, der zu den am stärksten genutzten Bahnstrecken in der Stadt gehört, wird 16 Tage lang wegen Bauarbeiten gesperrt. Von Freitag, 22 Uhr, durchgehend bis zum 9. Dezember, 1.30 Uhr, fahren zwischen Nord- und Anhalter Bahnhof keine S-Bahn-Züge. Für die Betroffenen hat Detlef Speier von der S-Bahn eigentlich nur einen Tipp parat: „Umfahren Sie die Baustelle! Es gibt genug Möglichkeiten.“ Zwar wird ein Schienenersatzverkehr eingerichtet. „Doch wir können nicht garantieren, dass die Busse immer nach Fahrplan fahren. In Mitte gibt es viele Baustellen, Stau und Demos“, so Speier.

„Der Tunnel ist eine wichtige Nord-Süd-Achse“, sagte der S-Bahner am Dienstag. Auf den Linien S 1, S 2 und S 25 sind dort täglich rund 80 000 Fahrgäste unterwegs, pro Stunde und Richtung gibt es bis zu 18 Fahrten. Doch unersetzlich ist der Tunnel glücklicherweise nicht. Speier: „Er ist in ein dichtes Schienennetz eingebunden.“ Das heißt: Die Fahrgäste, die von der Unterbrechung betroffen sind, können unter mehreren Ausweichrouten wählen.

Unterirdische Berg-und-Tal-Bahn

„Wir empfehlen, möglichst auf den westlichen Ring auszuweichen,“ sagte Speier. Denn dort setzt die S-Bahn während der Tunnelsperrung zusätzliche Züge ein, so dass sich zur Hauptverkehrszeit ein Drei- bis Vier-Minuten-Takt ergibt. „Je nachdem, wo der Fahrgast hinwill, ergibt sich eine Fahrzeitverlängerung um sechs bis zehn Minuten“, rechnete der S-Bahner vor. Auch die Linie U 6 biete sich zur Umfahrung an. Auf dieser Nord-Süd-Strecke fahren die U-Bahnen tagsüber im Fünf-Minuten-Takt mit Sechs-Wagen-Zügen. Das sei mit den Berliner Verkehrsbetrieben vereinbart worden. „Wir freuen uns, dass die Bauarbeiten der an der U 6 am Sonntag beendet wurden und die U-Bahn wieder durchfährt“, sagte Jens Hebbe, der die Betriebsplanung der S-Bahn leitet. Denn so konnte verhindert werden, dass mit der U 6 und dem S-Bahn-Tunnel zwei wichtige Nord-Süd-Strecken zur selben Zeit unterbrochen worden wären.

Denn die Bauarbeiten im S-Bahn-Tunnel, die schon 2012 stattfinden sollten, ließen sich nicht länger aufschieben. Dem Vernehmen nach wäre die 3,5 Kilometer lange Tunnelstrecke zwischen Nord- und Anhalter Bahnhof spätestens im Januar 2014 aus Sicherheitsgründen gesperrt worden. Der Grund: Die Gleise müssen dringend erneuert werden. Sie wurden so stark abgefahren, dass sie an entscheidenden Stellen dünner geworden sind, sagte Ulrich Burkhardt von DB Netz. „Der Verschleißvorrat ist fast aufgebraucht.“ Anders formuliert: Noch ein paar Millimeter, und sie dürften nicht mehr befahren werden. Zwar sind die Schienen nur rund 20 Jahre alt. Doch sie werden stark in Anspruch genommen. Es gibt viele enge Kurven und beträchtliches Gefälle – zum Beispiel an der Spree-Unterquerung. Wer öfter im Tunnel unterwegs ist, kennt das Räderquietschen, das die Belastung bezeugt.

2014 sind die Weichen dran

2,1 Millionen Euro werden ausgegeben. Davon sind 900.000 Euro für besonders feste Schienen mit Edelstahlvergütung vorgesehen, die aus Frankreich und Österreich stammen. Für Brandwachen sind 70 000 Euro eingeplant. „Sie sind notwendig, weil wir während der Schweißarbeiten, bei denen Rauch entsteht, die Brandmeldeanlagen im Tunnel ausschalten müssen“, so der Planer.

2014 wird die Nord-Süd-Strecke der S-Bahn erneut wochenlang dichtgemacht, sagte Hebbe. „Frühestens im September, Details stehen noch nicht fest.“ Die Unterbrechung wird noch länger dauern und einen längeren Abschnitt betreffen: Gesundbrunnen–Anhalter Bahnhof. Dann stehen Arbeiten in den Bahnhöfen an, die mangels Planung jetzt noch nicht erledigt werden. Zum Beispiel werden Weichen getauscht. Und in 20 Jahren wird der nächste Schienenwechsel erforderlich, so die DB. Spätestens dann muss der Tunnel wieder gesperrt werden.