Solche Bauschilder sind bei Verkehrsprojekten ziemlich selten. „Baubeginn Mai 2017, Fertigstellung Dezember 2017“, ist in Mahlsdorf zu lesen. So zügig soll neben dem S-Bahnhof ein Haltepunkt für Regionalzüge entstehen – Verkehrsbauvorhaben können länger dauern. Am Montag wurde der Bahnhofsbau im Osten Berlins mit einem symbolischen Spatenstich gefeiert. Doch während Marzahn-Hellersdorf nun eine bessere Verbindung bekommt, wird es im Bezirk Treptow-Köpenick schlechter. Die Deutsche Bahn (DB) bekräftigte, dass der Regionalbahnhof Karlshorst im Dezember 2017 schließt. Der neue Köpenicker Regionalbahnhof wird erst mehrere Jahre später fertig – 2026.

„Manchmal dauert es etwas länger, bis ein Bauvorhaben vorbereitet ist. Aber wenn es dann so weit ist, dann machen wir es schnell“, sagte Friedemann Keßler von DB Station und Service. Was das Bauvolumen anbelangt, ist das Projekt westlich der Hönower Straße allerdings auch nicht besonders umfangreich.

Künftig bis zum Ostkreuz

Ein Bahnsteig, 140 Meter lang und 55 Zentimeter hoch, Wetterschutzhäuschen, ein kurzes Dach, eine Treppe, ein Aufzug. Mehr ist nicht vorgesehen. Doch Politiker und Planer erwarten 1400 Regionalbahnreisende pro Tag – zusätzlich zu den täglich rund 13.300 S-Bahn-Nutzern auf dem S-Bahnhof nebenan. Genug, um die Ausgaben rechtfertigen zu können: Das Land Berlin, das den Bau bestellt hat, zahlt 900.000 Euro, die DB und der Bund steuern insgesamt rund 2,6 Millionen Euro bei.

Heute passieren die Züge, die stündlich auf der Linie RB 26 verkehren, Mahlsdorf ohne Halt. Ab dem 10. Dezember legen sie dort Stopps ein – und eröffnen den Menschen im Einzugsbereich der Station neue Fahrtmöglichkeiten. Nach Osten geht die Reise über Strausberg, Müncheberg und Seelow-Gusow ins polnische Kostrzyn (Küstrin). Wer in der Märkischen Schweiz wandern, an der Oder Rad fahren oder in Polen einkaufen will, profitiert von dem Bahnhofsprojekt. Nach Westen führt die Fahrt bis Lichtenberg. Voraussichtlich ab Dezember 2018 werden die Dieseltriebwagen der Niederbarnimer Eisenbahn (NEB) bis Ostkreuz fahren. Dann werden sie als Alternative zur langsameren S-Bahn interessant.

„Die Regionalbahnen werden die S-Bahn, die oft sehr voll ist, entlasten“, hoffte Wirtschaftsstadtrat Johannes Martin (CDU). Damit mache der Bahnhofsbau den Nahverkehr attraktiver, sagte Verkehrssenatorin Regine Günther (parteilos, für Grüne). „Immer mehr Menschen pendeln zur Arbeit in die Stadt.“

Allerdings: Auf der Linie RB 26 werden die Züge der NEB schon jetzt rege frequentiert. Im vergangenen Jahr gab es oft Beschwerden, weil Fahrgäste kaum noch mitkamen und Reisen im Stehen zur Norm wurde. Nachdem das Platzangebot etwas ausgeweitet wurde, hat sich die Lage entspannt. Florian Schulz vom Fahrgastverband IGEB hoffte, dass der polnische Fahrzeughersteller Pesa bis Dezember zusätzliche Züge liefert und die Kapazität weiter erhöht werden kann.

Streit um Straßenbahnausbau

Andere Verbesserungen lassen dagegen auf sich warten. Zwar soll die Zahl der Fahrradstellplätze am Bahnhof Mahlsdorf verdoppelt werden. Aber das wird erst 2018 möglich sein, wenn das damit zusammenhängende Supermarkt-Bauprojekt realisiert wird, sagte Martin.

Noch immer ungeklärt ist, in welchem Umfang die Straßenbahnstrecke ausgebaut wird. Mehr als zwei Jahre dauert der Streit schon. Der Senat will die Trasse auf zwei Gleise erweitern, damit der Zehn-Minuten-Takt auf der Linie 62 bis zum Bahnhof ausgedehnt werden kann. Doch der Bezirk fürchtet Stau. Es sei ausreichend, es bei einem Gleis zu belassen und lediglich eine Ausweichstelle zu bauen, bekräftigte der Stadtrat. Senatorin Günther bot weitere Gespräche an: „Uns ist es wichtig, dass die Mahlsdorfer gut zu ihrem Bahnhof kommen.“