Baukollegium: Baudirektorin Lüscher stellt das neue Gremium vor

Berlin - Dass es dieses Gremium gibt, dürfte nicht nur vielen Berlinern unbekannt sein – man möchte es auch kaum glauben, angesichts der ästhetischen Zumutungen an vielen Orten der Stadt: der verpfuschte Washingtonplatz vor dem Hauptbahnhof etwa oder die seelenlos-protzigen Neubauquartiere auf den Kreuzberger Abschnitten des Mauerstreifens. Aber doch: Es gibt in Berlin seit 2008 einen Expertenrat, der über die architektonische Qualität von Bauvorhaben wacht.

Baukollegium heißt die Runde von sechs Architekten, die zusammen Senatsbaudirektorin Regula Lüscher Bauherren, Planer und Bezirkspolitiker bei großen Bauvorhaben berät. Und in den nächsten Jahren soll sie eine größere Rolle spielen.
Am Mittwoch stellte Lüscher stolz die neue Besetzung vor. „In dieser Legislatur wurde das Baukollegium erstmals im Koalitionsvertrag erwähnt“, sagte sie. „Das ist ein Erfolg.“ Das Baukollegium findet nicht nur Erwähnung, sondern es soll sich auch weiterentwickeln: In Zukunft sind die Tagungen, die alle sechs bis acht Wochen stattfinden, öffentlich.

Lebenserfahrung gefragt

Die Anforderungen an die sechs Mitglieder fasste Lüscher so zusammen: „Man braucht Berufserfahrung, und es ist mir wichtig, dass man auch Lebenserfahrung mitbringt.“ Schließlich seien mitunter harte Diskussionen mit den Bauherren zu führen. Sonstige Kriterien: Männer und Frauen sind zu gleicher Zahl vertreten. Und höchstens eines der Mitglieder darf aus Berlin kommen.

Die aktuelle Besetzung umfasst allerdings ausschließlich auswärtige Mitglieder. Ansgar Schulz aus Leipzig ist darunter, der dort unter anderem die katholische St.-Trinitatis-Kirche entwarf, einen der wenigen neuen christlichen Sakralbauten, die in den letzten Jahren in Deutschland entstanden. Regine Keller aus München ist die einzige Landschaftsarchitektin im Kollegium. „Mich hat überzeugt, dass sie in Jurys konsequent die Qualität des öffentlichen Raums einfordert und uns Architekten auf die Finger schaut“, sagte Lüscher.

„Es ist fantastisch, wenn Architektur und Planung eine solche Bühne bekommen"

Mit Wohnungsbau im experimentellen Bereich hat sich Verena Brehm aus Hannover profiliert, die dort mit ihrem Büro Cityförster unter anderem die Dächer von Kauf- und Parkhäusern als Wohnraum erschloss. Was aus dem Baukollegium werden könnte, wenn es in Zukunft unter Beteiligung der Öffentlichkeit tagt, malte Jórum Ragnarsdottir aus. Die gebürtige Isländerin gehört auch in mehreren Städten vergleichbaren Gremien an, unter anderem in Freiburg.

„Wir haben dort bis zu 200 Zuschauer, und es werden immer mehr“, sagte sie. „Es ist fantastisch, wenn Architektur und Planung eine solche Bühne bekommen. Die Empfehlungen, die das Baukollegium gibt, würden übrigens in den allermeisten Fällen befolgt, betonte Lüscher. Allerdings muss es dazu erst hinzugezogen werden – das geschieht nur auf Wunsch der Beteiligten. Die nächsten Sitzungen des Baukollegiums finden am 15. August und am 31. Oktober statt, jeweils nachmittags am Sitz der Stadtentwicklungsbehörde in der Würrtembergischen Straße 6.